Ärzte Zeitung, 14.12.2004

Warum ein Endokrinologe beim zerebralen Trauma nötig sein kann

In mehreren Kliniken werden Daten zur Hypophysenfunktion nach SHT gesammelt

MÜNCHEN (ts). Ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) geht oft mit einer Insuffizienz der Hypophyse einher, wie Autopsie-Studien und neue klinische Studie belegen.

Die Symptome der Insuffizienz sind oft schleichend und unspezifisch; zudem können sie durch Symptome der zerebralen Verletzung verschleiert werden. Eine Zusammenarbeit von Neurochirurgen und Rehabilitationsmedizinern mit Endokrinologen ist daher empfehlenswert, eventuell auch eine Hormonsubstitution. Die Datenlage hierzu ist aber noch unzureichend.

Autopsie-Studien ergaben eine Prävalenz hypophysärer Schäden nach SHT von knapp 30 bis fast 90 Prozent. Beobachtet wurden, wie Dr. Harald Jörg Schneider vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München berichtet, etwa Einblutungen und Fibrosen (Dtsch Ärztbl 2004, 101A, Heft 11, S. 712). Der Vorderlappen war nach Angaben des Forschers aus der Arbeitsgruppe von Professor Karl Günter Stalla bei bis zu 49 Prozent betroffen.

Die klinischen Symptome der Hypophyseninsuffizienz hat Stalla auf einem Workshop von Pfizer Pharma in München vorgestellt.

  • Bei einem Defizit des Wachstumshormons kommt es zu einem Verlust an Muskelmasse, vermehrter Fetteinlagerung und verminderter Leistungsfähigkeit.
  • Symptome eines Mangels an Thyreoida-Stimulierendem Hormon sind etwa Müdigkeit, Bradykardie und trockene, raue Haut.
  • Auch ein Defizit an ACTH führt zu Schwäche und Müdigkeit, außerdem zu Übelkeit und Hypoglykämie.

Aufgrund der hohen Prävalenz endokriner Störungen sollte nach Angaben von Schneider bei jedem Patienten mit mittelschwerem und schwerem SHT in Zusammenarbeit mit Endokrinologen die Hypophysen-Funktion geprüft werden. Wann die Funktionstests gemacht werden sollten, sei derzeit noch unklar.

Erste Daten zeigten, daß eine Hormonsubstitution, etwa von Wachstumshormon, bei traumatisch bedingten Mangel positive Effekte auf Lebensqualität und Körpergewicht, habe. Die Datenlage ist nach Angaben von Schneider aber noch unzureichend, so daß die Entscheidung für eine Hormonsubstitution "auf einer individuellen Basis getroffen werden" sollte. In mehreren klinischen Zentren werden nach Angaben von Stalla derzeit Daten zur Hypophysenfunktion nach SHT gesammelt.

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