Ärzte Zeitung, 02.06.2005

KOMMENTAR

Focus auf hepatische Enzephalopathie

Von Gabriele Wagner

In den letzten Jahren haben Leberspezialisten immer wieder darauf hingewiesen, daß bei Leberzirrhose - egal welcher Genese - oft schon Hirnleistungsstörungen bestehen, auch wenn es noch keine offensichtlichen klinischen Zeichen einer hepatischen Enzephalopathie (HE) wie Fingertremor gibt.

Betroffene haben dann eine subklinische HE (SHE). Diese Enzephalopathie-Form kann nur mit psychometrischen Tests wie Liniennachfahr- und Zahlenverbindungstests oder mit einer Flimmerfrequenz-Analyse erkannt werden.

Daß es sich lohnt, bei Leberzirrhose gezielt auf SHE zu screenen, haben türkische Gastroenterologen erneut belegt. Sie wiesen nach, daß etwa Reaktionsfähigkeit und Orientierung bei SHE ähnlich stark gestört sind wie bei manifester HE Grad 1, bei der bereits deutliche neuromuskuläre und Bewußtseinsstörungen bestehen. Übrigens: HE ist keine Säuferkrankheit, sondern betrifft grundsätzlich alle Zirrhose-Patienten, also auch solche mit Hepatitis.

Warum nach SHE fahnden? Betroffene könnten etwa beim Autofahren sich und andere gefährden. Außerdem: HE ist potentiell reversibel, vor allem im Frühstadium. Und es gibt medikamentöse Therapien, die den Ammoniakabbau stimulieren.

Lesen Sie dazu auch:
Plädoyer für Hirnscreening bei Leberzirrhose

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