Ärzte Zeitung, 18.10.2005

Bei Karpaltunnel ist Skalpell besser als Spritze

HONGKONG (ner). Bei Patienten mit idiopathischem Karpaltunnelsyndrom hilft die chirurgische Dekompression langfristig besser als die Behandlung mit einer lokalen Steroidinjektion.

Dies ist das Ergebnis einer randomisierten Studie mit 50 chinesischen Patienten. Dr. Andrew C. F. Hui vom Princes of Wales Hospital in Hongkong und seine Kollegen hatten bei 25 Patienten eine einzelne lokale Steroid-Injektion gesetzt und bei weiteren 25 Patienten das Retinakulum gespalten und so den komprimierten Nervus medianus entlastet (Neurology 64, 2005, 2074).

Nach 20 Wochen schnitten die operierten Patienten auf einer 50-Punkte-Skala (Global Symptom Score, GSS) zur Beurteilung von Schmerz, Taubheitsgefühl, Kraft, Parästhesien und nächtlichen Beschwerden signifikant besser ab als die konservativ behandelten Studienteilnehmer.

Die chirurgisch therapierten Patienten verbesserten sich um durchschnittlich 24 Punkte, in der Steroid-Gruppe dagegen um 9 Punkte. Zwar beobachteten die Neurologen und Neurochirurgen eine leichte Abnahme der Kraft in der Chirurgie-Gruppe, dies könne jedoch auch auf postoperatives Schonungsverhalten zurückgeführt werden. Erfahrungsgemäß normalisiere sich die Kraft innerhalb eines Vierteljahres.

Steroidinjektionen bewirken theoretisch ein lokale Abschwellung und Verbesserung der lokalen Ischämie. Zwar sind die Kurzzeiteffekte oft gut, allerdings bleibt die mechanische Irritation bestehen, so daß die Beschwerden bei bis zu 80 Prozent der Patienten wiederkehren.

Wiederholte Injektionen bergen abgesehen von Fehlinjektionen und Infektionen das Risiko der Ruptur der Fingerbeuger-Sehnen. Nutzen könnte die Steroid-injektion als Prädiktor für ein Ansprechen auf die chirurgische Dekompression, meinen der US-Neurologe Dr. Clifton L. Gooch aus New York und der Orthopäde Dr. David J. Mitten aus Rochester in einem Kommentar (Neurology 64, 2005, 2006).

Zudem gibt es auch Patienten, deren Beschwerden sich mit der Zeit spontan lindern. Allerdings sind bislang keine klinischen oder apparativen Marker bekannt, die eine Vorhersage des Verlaufs erlauben.

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