Ärzte Zeitung, 06.10.2005

"Materialistisches Weltbild Grund für Popularität der Hirnforschung"

Dortmunder Philosoph zur Hochkonjunktur der Hirnforschung / Dreiteilige Serie

NEU-ISENBURG (eb). Moderne Hirnforschung hat Hochkonjunktur, allem voran die These, der Wille sei nicht frei. Einer der Gründe für die derzeitige Attraktivität dieser Forschung in der Öffentlichkeit sei die Präsenz des materialistischen Weltbildes, sagt der Philosoph Professor Lutz Wingert aus Dortmund.

In diesem Weltbild gilt: Alles was es gibt, ist etwas Materielles, zum Beispiel Nervenbahnen und der elektrische Stromfluß zwischen Neuronen.

Und "mit dem Schwinden der Religion als einer Autorität, die Überzeugendes über die Natur zu sagen weiß, ist dieses materialistische Weltbild dominanter geworden", so Wingert in der ersten Folge der heute beginnenden dreiteiligen Serie der "Ärzte Zeitung". Wingert ist Professor für angewandte Philosophie an der Universität Dortmund.

Das materialistische Weltbild ist aber nach Ansicht von Wingert nicht der einzige Grund dafür, daß die Neurobiologie und die neuen Thesen zur Willensfreiheit derzeit so populär sind.

Ein weiterer Grund sei etwa auch die Anschaulichkeit klinischer Fallgeschichten und die Möglichkeit, Ausfallerscheinungen, zum Beispiel Gedächtnisschwund, präziser als früher diagnostizieren zu können. Der derzeitige Neuroboom habe nicht zuletzt auch wissenschaftspolitische Gründe.

Lesen Sie dazu auch:
Die schöne neue Welt der Neurowissenschaftler
Befürworter des Determinismus
Gegner des Determinismus

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »