Ärzte Zeitung, 06.11.2006

Dopamin-Agonist lindert RLS binnen einer Woche

Therapie bei Restless-Legs-Syndrom (RLS) mit Pramipexol / Das Risiko von Einschlafattacken nimmt ab

HAMBURG (awa). Für Patienten mit mittelschwerem und schwerem Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist Pramipexol seit einigen Monaten eine Option. Der Dopamin-Agonist linderte die Beschwerden in Studien deutlich, kann schnell aufdosiert werden und bessert den Schlaf.

Je nach Schweregrad des RLS werde mit L-Dopa, Dopamin-Agonisten oder Opiaten behandelt, hat Privatdozentin Ilonka Eisensehr aus München berichtet. Der Schweregrad von RLS wird nach der Internationalen RLS-Skala (IRLS) beurteilt, die von 0 bis 40 Punkte (schwerstes RLS) reicht.

L-Dopa sei gut anwendbar bei leichtem RLS sowie als Bedarfsmedikament für Situationen wie Langstreckenflüge, in denen sich die Symptome verstärken. Das sagte die niedergelassene Neurologin auf einer Veranstaltung von Boehringer Ingelheim in Hamburg. Ein schnell wirksames L-Dopa kann auch als Test für idiopathisches RLS gewählt werden.

Wird die Substanz täglich und in hohen Dosierungen eingenommen, sind Komplikationen möglich: Die Symptome können sich verstärken und auch tagsüber auftreten. Bis zu 82 Prozent der RLS-Patienten bekommen nach längerer Therapie mit L-Dopa dieses als Augmentation bezeichnete Phänomen, wie Eisensehr sagte. Auch mit Opiaten, die besonders bei schwerem RLS und zusätzlichem Schmerzsyndrom verwendet werden, kann eine Augmentation auftreten.

    Die Unruhe in den Beinen ließ auch auf lange Dauer nach.
   

Dopamin-Agonisten seien Mittel der Wahl bei mittelschwerem und schwerem RLS. Seit dem Frühjahr ist der aus der Parkinson-Therapie bereits bekannte non-ergoline Dopamin-Agonist Pramipexol (Sifrol®) auch bei RLS zugelassen. Meist reiche eine Dosis von 0,088 bis 0,54 mg pro Tag.

Die Arznei könne schnell aufdosiert werden, und zwar in Schritten mit jeweils 0,088 mg Steigerung alle vier Tage, so Eisensehr. Eventuell auftretende Übelkeit beim Aufdosieren könne mit Domperidon verhindert werden. Metoclopramid eigne sich dafür nicht, da es RLS verstärken kann.

In Studien gingen die RLS-Symptome mit Pramipexol innerhalb einer Woche deutlich zurück. Innerhalb von drei Wochen sank der IRLS-Wert mit Pramipexol im Vergleich zu Placebo signifikant (minus 15,1 versus minus 5,9 Punkte). Auch nach zwölf Wochen blieb ein signifikanter Unterschied erhalten: Der IRLS-Ausgangswert verringerte sich von 23,4 auf 9,4 Punkte mit Pramipexol und von 23,5 auf 14,1 Punkte mit Placebo.

Plötzliche Einschlafattacken müssen bei RLS mit Dopamin-Agonisten nicht befürchtet werden - anders als in der Parkinson-Therapie, wo die Dosierungen sehr viel höher sind. Beim RLS vermindert eine erfolgreiche dopaminerge Therapie im Gegenteil das Risiko für Einschlafattacken, da die Patienten nachts besser schlafen können.

STICHWORT

Prävalenz des RLS

Nach einer Studie mit über 15 300 Personen aus den USA und fünf europäischen Ländern haben sieben Prozent der Bevölkerung ein RLS - neun Prozent der Frauen und 5,4 Prozent der Männer. Bei drei Prozent sind die Beschwerden so stark, daß sie behandelt werden müssen (Arch Intern Med 165, 2005, 1286). Von den behandlungsbedürftigen Patienten hatten zwar die meisten zuvor mit ihren Ärzten gesprochen, aber nur bei etwa sechs Prozent war ein RLS erkannt worden. (awa)

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