Ärzte Zeitung, 14.11.2006

Experte beklagt mangelnde Hilfen für Stalking-Opfer

Elf Prozent der Bürger von Nachstellungen betroffen

MÜNCHEN (dpa). Die Hilfsangebote für Stalking-Opfer in Deutschland müssen nach Ansicht von Experten dringend verbessert werden.

Polizei, psychosoziale Beratungsstellen und Gerichte müßten stärker als bisher zusammenarbeiten, um die Betroffenen vor den unerwünschten Nachstellungen zu schützen, sagte Professor Harald Dreßing vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim am Rande einer Tagung zu diesem Thema in München. Elf Prozent aller Menschen - vorwiegend Frauen - sind seinen Angaben zufolge irgendwann in ihrem Leben von Stalking betroffen, meistens nach einer gescheiterten Liebesbeziehung.

    Opfer sollen Öffentlichkeit mobilisieren.
   

Die von der Bundesregierung angekündigte Strafvorschrift gegen Stalker sei ein ganz wichtiger Fortschritt, dennoch sei noch viel Aufklärung nötig. "Die Mehrzahl der Betroffenen wendet sich nicht an die Polizei und an die Gerichte, weil sie die Vorstellung hat: Die helfen uns doch nicht", sagte Dreßing, der das Phänomen in einer Studie untersucht hat.

Außerdem komme es immer noch vor, daß Menschen weggeschickt würden mit der Vorstellung, daß sie selbst schuld seien. "Das ist natürlich fatal, denn das kann jedem passieren." Am wichtigsten sei es, rasch an die Öffentlichkeit zu gehen, therapeutische Angebote zu nutzen und Beweise aufzuheben. "Also E-Mails nicht wegdrücken und auf dem Anrufbeantworter aufgezeichnete Nachrichten aufheben." Auch Verwandte, Freunde und Nachbarn sollten alarmiert werden.

In einem Viertel aller Stalking-Fälle kommt nach Angaben Dreßings auch körperliche Gewalt ins Spiel, darunter Ohrfeigen, Tritte und Schläge.

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