Ärzte Zeitung, 01.03.2007

KOMMENTAR

Vorbeugen ist besser als bestrafen

Von Thomas Müller

Wann immer ein Kind sexuell missbraucht oder getötet wird, wie es jetzt in Leipzig geschah, dann ist das Geschrei groß: Boulevardzeitungen schlachten das Ereignis tagelang auf ihren Titelseiten aus, und natürlich werden härtere Strafen für die Täter gefordert.

Von diesem Reflex, der nach jeder spektakulären Sexualstraftat präzise wie ein Uhrwerk abläuft, profitieren viele: Medien, die ihre Seiten und Sendeminuten damit füllen ebenso wie Politiker, die nach mehr Law-and-Order rufen. Der Beifall ist ihnen gewiss, schließlich wird niemand einen Kinderschänder in Schutz nehmen.

Doch werden härtere Strafen für Straftäter den Kindern nichts nützen, die es zu schützen gilt. Denn Pädophile wird es immer geben. Noch viel besser, als sie nach einem Mord mit viel Getöse zu jagen und wegzusperren, wäre es, sie von der Tat abzuhalten. Die Berliner Charité hat den Mut, genau dies mit einem Präventionsprojekt zu versuchen. Das Interesse ist groß, auch wenn man nur schwer feststellen kann, ob sich damit Straftaten verhindern lassen. Ein Schritt in die richtige Richtung ist es auf jeden Fall.

Lesen Sie dazu auch:
Viel Zuspruch bei Pädophilie-Prävention

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »