Ärzte Zeitung, 14.03.2007

Erste Erfolge mit Zell-Ersatztherapie bei Morbus Huntington

Sechs Monate nach der Zelltransplantation hat sich der Zustand bei sieben Patienten stabilisiert oder leicht gebessert / Studie mit 80 Patienten

ULM (mut). In einer internationalen Studie wird jetzt eine Zelltransplantation bei Huntington-Patienten geprüft. Daran nehmen auch 20 Patienten aus Deutschland teil. Die ersten Ergebnisse sechs Monate nach dem Eingriff sind ermutigend.

Bei Morbus Huntington gehen Zellen im Striatum zu Grunde. Bislang gibt es kaum Therapien, um die Bewegungsstörungen zu lindern. Derzeit wird in einer internationalen Phase-II-Studie eine Zelltherapie bei 80 Huntington-Patienten geprüft. Davon werden 20 in Freiburg behandelt, hat Professor Guido Nikkhah von der Universität Freiburg berichtet. Die ersten Daten dieser Patienten sechs Monate nach dem Eingriff hat Nikkhah jetzt auf dem Parkinsonkongress in Ulm vorgestellt.

In der Studie werden die Patienten in zwei Gruppen aufgeteilt: 40 Patienten erhalten eine Zelltransplantation, 40 dienen für zwei Jahre als Kontrolle und werden danach ebenfalls operiert. Alle Patienten erhalten Zellen aus der striatalen Anlage des Zwischenhirns von menschlichen Feten. Diese neuralen Vorläuferzellen werden an mehrere Stellen im Nucleus caudatus und Putamen der Patienten platziert. Inzwischen sind sieben der Freiburger Patienten operiert worden.

Das Ergebnis: Sechs Monate nach dem Eingriff hat sich der Zustand bei einem Teil der behandelten Patienten etwas verbessert oder ist zumindest konstant geblieben. Dagegen schritt die Krankheit bei noch unbehandelten Patienten deutlich voran. Mit bildgebenden Verfahren ließ sich zudem zeigen, dass die transplantierten Zellen stoffwechselaktiv waren.

Nikkhah zeigt auch Bilder von Hirnschnitten eines Patienten, der etwa ein halbes Jahr nach dem Eingriff Suizid begangen hatte. Darin waren mit Markern bereits ausdifferenzierte Nervenzellen zu erkennen, die aus den übertragenen Zellen hervorgegangen sind. Die Zellen hatten zum Teil auch schon Kontakt mit dopaminergen Nerven-Endigungen aufgenommen. Viele andere transplantierte Zellen hatten sich zu diesem Zeitpunkt aber kaum in Neurone differenziert. Nikkhah sieht in diesen Bildern zumindest ein Beleg dafür, dass die übertragenen Zellen tatsächlich in der Lage sind, sich im Hirngewebe zu differenzieren, zu integrieren und richtig zu verschalten.

Probleme könnte aber die Immunabwehr bereiten. Bei dem gestorbenen Patienten ließen sich im Transplantat viele immunkompetente Zellen nachweisen - trotz einer Dreifachtherapie mit Immunsuppressiva. Jetzt wird überlegt, die aggressiv immunsupprimierende Therapie bei den anderen Patienten länger fortzuführen als ursprünglich geplant.

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