Ärzte Zeitung, 24.09.2007

KONGRESS-NEWS

Klavieranfänger im Alter? Das Gehirn macht mit!

Das Gehirn wandelt sich ein Leben lang. Zum Beispiel durch Musizieren: Selbst noch bei erwachsenen Anfängern knüpfen die Nerven bereits nach 20-minütigem Klavierüben neue Verbindungen, wie Untersuchungen ergaben. Nach fünf Wochen hatte eine weitere plastische Anpassung stattgefunden: Beim Musikhören wurden Regionen aktiv, die die Hand steuern, wie Professor Eckart Altenmüller aus Hannover berichtete. Umgekehrt aktivierte das Spielen auf einer stummen Tastatur die Regionen fürs Hören.

Training mildert Fatigue bei MS-Patienten

Ein Problem für Patienten mit Multipler Sklerose ist die Fatigue. Darauf hat Professor Uwe Klaus Zettl von der Universität Rostock hingewiesen. Diese trete zu Beginn bei 28 Prozent, im weiteren Verlauf bei 90 Prozent der MS-Patienten auf. Ein mäßiges körperliches Training im aeroben Bereich wirke der Fatigue entgegen, sagte Zettl auf einer Veranstaltung von Bayer HealthCare.

Eine Art Tsunami zerstört Gehirn nach Schlaganfall

Häufig kommt es nach schwerer Hirnverletzung, Gehirnblutung oder Schlaganfall zu weiteren Schäden. An dieser oft tödlichen Verschlechterung sind Erregungswellen der Hirnrinde beteiligt, wie Experten aus dem Kompetenznetz Schlaganfall berichteten. Nach dem ersten Ereignis baue sich durch den Zusammenbruch von Zellen eine Art Tsunami auf, der sich mit 3 mm/min ausbreitet. Das geschädigte Gehirn kann aber nicht genug Energie bereitstellen, um die Welle zu beenden. Zelltod ist die Folge.

Info:Kompetenznetz Schlaganfall, Charité Campus Mitte, Klinik und Poliklinik für Neurologie, Charitéplatz 1, 10117 Berlin, Tel.: 0 30 / 45 05 60-142. www.kompetenznetz-schlaganfall.de

100 Jahre Neurologie - eine Erfolgsgeschichte

In der Neurologie ist in den vergangenen 100 Jahren viel erreicht worden, konstatierte Professor Günther Deuschl. So verlief die Herpes-Enzephalitis früher bei 80 Prozent der Patienten tödlich, heute werden umgekehrt ebenso viele gerettet. Patienten mit Myasthenia gravis lebten früher nur wenige Jahre, heute haben sie durch Medikation und Blutwäsche eine normale Lebensdauer. Ein junger Parkinson-Patient hatte eine Lebenserwartung von weniger als zehn Jahren, heute wird er über Jahrzehnte behandelt.

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