Ärzte Zeitung, 17.01.2011

Stimulation des Vagusnervs - möglicher Ansatz bei Tinnitus

Nach erfolgreichen Tierversuchen wird eine klinische Studie gestartet.

DALLAS (ars). Mit einer Vagusnerv- Stimulation lässt sich offenbar ein Tinnitus abschwächen - zumindest im Tierversuch ist das US-Forschern aus Dallas gelungen (Nature online). Noch dieses Jahr wollen sie in Europa mit einer klinischen Studie beginnen, heißt es in der Mitteilung einer Firma, die sie mitgegründet haben.

Die Wissenschaftler gingen von der Hypothese aus, dass viele Formen des Tinnitus durch Veränderungen im Gehirn als Folge von Nervenschäden oder Cochlea-Traumen entstehen. Belege dafür fehlten bisher allerdings. Mit ihren Versuchen haben die Neurologen nun nachgewiesen: Die Plastizität ist tatsächlich die Ursache der Ohrgeräusche, und es ist möglich, sie rückgängig machen.

Dazu beschallten sie Ratten unter Narkose mit einem sehr lauten Ton, in dem eine Frequenz fehlte. Daraufhin hörten die Tiere dauerhaft einen Ton in dieser Frequenzlücke, was mit einer Reorganisation in bestimmten Gehirnarealen einherging.

Diese Umbauprozesse reparierten die Forscher, indem sie bei den Tieren oft wiederholte Vagusnerv-Stimulationen vornahmen, jeweils gekoppelt mit Tönen in der Frequenznähe des Tinnitus. Dadurch nahmen die Geräuschmeldungen im auditorischen Kortex ab. Die Besserung ließ sich zudem am Verhalten der Tiere ablesen und hielt über Monate an.

Die Vagusnerv-Stimulation wird bereits bei Epilepsie und Depressionen angewandt, wobei eine Elektrode in den Hals implantiert wird.

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