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Kinderfalle Arzneischrank

Die Zahl der Kinder, die sich versehentlich mit Medikamenten vergiften, scheint zu steigen. In Deutschland belegen Arzneimittel in der Ursachenliste für Vergiftungen bei Kindern den zweiten Rang.

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Der Arzneimittelschrank sollte für Kinder nicht offen zugänglich sein.

Der Arzneimittelschrank sollte für Kinder nicht offen zugänglich sein.

© Arno Bachert / fotolia.com

NEU-ISENBURG (MUC / rb). Kleinkinder erkunden ihre Welt mit dem Mund. Wenn zu dieser Welt offen zugängliche Arzneimittel gehören, wird es gefährlich.

Eine US-Studie hat nun das Problem der Medikamentenvergiftung von Kindern untersucht. Dabei hat sich gezeigt, dass verschreibungspflichtige Präparate eine immer größere Gefahr darstellen.

Die meisten Kinder vergiften sich selbst

Ein Team um den Notfallmediziner Dr. Randall Bond von der University of Cincinnati in Ohio / USA hatte die Daten von rund 453.000 Kindern bis zu einem Alter von fünf Jahren ausgewertet, die während der Jahre 2001 bis 2008 wegen einer befürchteten Medikamentenvergiftung in einer Notfallambulanz hatten behandelt werden müssen.

430.000 von ihnen hatten sich selbst vergiftet, bei 23.000 war ein Therapiefehler die Ursache.

250.000 Vergiftungen mit verschreibungspflichtigen Präparaten

Die weitaus größte Zahl an Selbstvergiftungen, nämlich knapp 250.000, ging auf verschreibungspflichtige Präparate, der Rest auf OTC-Arzneien zurück. An erster Stelle standen dabei rezeptpflichtige Herz-Kreislauf-Medikamente, gefolgt von Analgetika - weit überwiegend Opioide - und Sedativa bzw. Hypnotika.

Bei den OTC-Medikamenten standen Analgetika an erster Stelle, vor allem Paracetamol, es folgten Erkältungsarzneien und Antihistaminika. Sowohl die Zahlen für die vergiftungsbedingten Notrufe und Besuche einer Notaufnahme wie auch jene für stationäre Einweisungen und erlittene Schäden stiegen von 2001 bis 2008 erheblich.

Opioide und Herz-Kreislauf-Mittel führten offenbar bei einigen Kindern zum Tod

Während des untersuchten Zeitraums waren 66 Kinder an der unabsichtlichen Vergiftung mit einem Medikament gestorben. Opioide und Herz-Kreislauf-Mittel standen auch hier obenan.

Laut Zahlen des Bundesumweltministeriums gehen bei den deutschen Giftnotrufzentralen jährlich rund 94.000 Anrufe wegen möglicher Vergiftungen von Kindern unter 15 Jahren ein. 19.000 von ihnen weisen tatsächlich Symptome auf.

Über ein Jahr hinweg betrachtet, ergibt sich bei 2,4 Prozent aller unter Sechsjährigen der Verdacht auf eine Vergiftung. Medikamente nehmen dabei in der Ursachenliste den zweiten Rang hinter Haushaltschemikalien ein.

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