Ärzte Zeitung, 26.01.2012

Schlaue Kinder: Die Milch macht's

NEU-ISENBURG (BS). Muttermilch beschleunigt die geistige Reifung der Kinder. Im Alter von fünf Jahren sind Stillkinder den "Flaschenkindern" in ihrer kognitiven Entwicklung Monate voraus.

Für die Studie wurden Daten von 11 879 Kindern ausgewertet, darunter 778 Frühgeburten (J Pediatr 2012; 160: 25-32). Erfasst wurde nicht nur, ob und wie lange die Mütter gestillt hatten, sondern auch möglichst viele ihrer Lebensumstände, von denen ein Einfluss auf die geistige Entwicklung eines Kindes zu erwarten ist.

Der kognitive Stand der Kinder im Alter von fünf Jahren wurde mit der British Ability Scales (BAS, 2. Ausgabe) beurteilt. Verwendet wurden die drei Subskalen zu Wortschatz, Konstruktion von Mustern und Ähnlichkeit von Bildern.

Die Kinder schnitten in allen drei Tests umso besser ab, je länger sie gestillt worden waren. Allerdings hatten Mütter, die stillten, seltener in der Schwangerschaft geraucht und besaßen einen höheren Bildungsgrad als Mütter, die ihren Kindern ausschließlich die Flasche gaben.

Aber auch wenn solche Faktoren herausgerechnet wurden, blieben die Stillkinder im Vorteil: Planmäßig geborene Kinder, die mindestens sechs Monate die Brust bekommen hatten, waren etwa in ihrem Wortschatz zwei bis drei Monate weiter als Kinder, die nie gestillt worden waren. Bei den zu früh geborenen Kindern war der Effekt noch deutlicher.

[28.01.2012, 21:39:06]
Dipl.-Psych. Antje Kräuter 
Die frühe Kindheit- ein kostbares Gut
Vielen Dank, Herr Ebinger, für Ihren wertvollen Beitrag.
Wir sind eine Inititativgruppe Frühe Kindheit, die sich für den Schutz der psychischen und physischen Gesundheit der Kleinkinder einsetzt, indem wir auf die Bedeutung einer sicheren Mutter-Kind-Bindung aufmerksam machen. Dazu gehört neben natürlicher Geburt und mehr Körperkontakt zu unseren Babys besonders das Stillen sechs Monate voll und weiter gemäß WHO-Richtlinie bis mindestens zum zweiten Geburtstag. Dass das jeder Mutter gelingt, dafür setzen sich die Stillorganisationen AFS, LLL und BDL ein. Kontraproduktiv ist die viel zu zeitige Trennung der Kleinstkinder von ihren Eltern, die die Gehirnentwicklung über die Stressachse negativ beeinflusst (siehe Artikel von Dr.med. R. Böhm auf unserer web-site), wenn wie meist überall eine unzulängliche Betreuungsqualität (Betreuungsschlüssel) durch Fremde einsetzt.Unglaublich, dass so was in Deutschland geschieht, wo man aus den negativen Erfahrungen des DDR-Krippenwesen gelernt haben sollte.  zum Beitrag »
[27.01.2012, 09:51:03]
Wolfgang Ebinger 
Vorteil Kinderkrippe?
Angesichts solcher Forschungsergebnisse kann man die massiven politischen Bestrebungen, möglichst viele Kleinstkinder (0 - 3 Jahre) in Kinderkrippen professionell betreuen zu lassen, nur noch mit einem Kopfschütteln und leise weinend zur Kenntnis nehmen.

Wenn ausschließlich die chemische Zusammensetzung der Muttermilch für die positive Entwicklung der Kleinsten verantwortlich wäre, sollte man wohl besser an "Muttermilch-Thermosflaschen" forschen. Dann könnte jedes Baby seine Tagesration Muttermilch mit in die Krippe nehmen...
Es wird aber doch wohl eher die liebevolle emotionale Zuwendung und Nähe zur Mutter sein, die den Ausschlag für diese Entwicklung gibt.

Von daher bleibt leider nur abzuwarten, wie die jetzigen Kleinstkinder in unserem Land zwar hochprofessionell betreut jedoch emotional total unterversorgt unsere Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten prägen werden.

Ob in einer immer rücksichtsloser werdenden Lebenswelt die schwindende Empathie dann noch als Tugend gelten wird, ist fraglich. zum Beitrag »

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