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Therapie übers Internet

Online-Sprechstunde mit dem Stress-Coach

Bei psychischen Belastungen eröffnen Angebote übers Internet Patientengruppen den Weg zu einer Therapie, die man sonst nicht erreichen würde, sind sich Experten sicher. Doch rechtlich steht der Web-Arzt in Deutschland noch auf wackligen Füßen.

Von Susanne Werner Veröffentlicht:

BERLIN/LÜNEBURG. Die Wirksamkeit von Online-Therapie ist inzwischen belegt. Internetbasierte Interventionen könnten psychisch-belasteten Patienten frühzeitig helfen und Versorgungslücken schließen.

"Mithilfe der modernen Medien können wir sehr viel frühzeitiger psychisch belastete Arbeitnehmer erreichen und obendrein auch jene, die eine Rehabilitation nicht aufsuchen würden", sagt Dr. David Daniel Ebert.

Der Psychologe von der Leuphana-Universität Lüneburg leitet mehrere Reha-Studien zu internetbasierten psychologischen Interventionen. Jüngst hat ihn die Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) mit dem Förderpreis 2014 ausgezeichnet.

Ebert ist überzeugt, dass webbasierte Angebote künftig in der Versorgungskette ihren Platz haben werden. Schließlich seien Online-Hilfen örtlich unabhängig und rund um die Uhr zu nutzen. Das komme den Bedürfnissen bestimmter Patienten entgegen.

"Zu den Nutzern - das zeigten unsere Studien auch - zählen vor allem jene Menschen, deren Alltag so dicht ist, dass sie andere Angebote kaum annehmen können. Es waren mehrheitlich Frauen, meist um die 40 Jahre alt, in der Regel berufstätig und oft auch alleinerziehend", sagt Ebert.

Fernbehandlungsverbot blockiert Online-Therapie

Die Intervention via Internet bricht mit der lang gehegten Überzeugung, dass nur der direkte Kontakt von Mensch zu Mensch hilft, damit Betroffene wieder aus Krisen finden.

In Großbritannien, Holland und Australien sind Online-Angebote längst ein Teil der Regelversorgung. In Deutschland aber gilt nach wie vor das Fernbehandlungsverbot. Demnach darf eine Therapie bislang nur zu Forschungszwecken ausschließlich online erfolgen.

Studienergebnisse zeigen nun, dass die Kommunikationstechnik die Zugangswege ergänzt. Bewährte kognitiv-verhaltenstherapeutische Therapien eignen sich ganz besonders für den Einsatz im Internet: Sie lassen sich leicht in Trainingsmodule übersetzen, sie informieren zu den Symptomen, geben Impulse für eigene Übungen und vermitteln auch Techniken, wie Probleme bewältigt werden können.

Leif Boß, ebenfalls Reha-Forscher an der Universität Lüneburg, hat beispielsweise ein internetbasiertes Problemlösetraining entwickelt und in einer randomisierten kontrollierten Studie evaluiert.

Psychisch beanspruchte Lehrer konnten darüber lernen, Probleme zu lösen oder sich auch kognitive Techniken aneignen, um Stresssituationen umdeuten und bewältigen zu können.

Bereits nach sieben Wochen hatte die Interventionsgruppe eine geringere depressive Symptomatik und war vermehrt fähig, wahrgenommenen Stress und emotionale Erschöpfung auszugleichen sowie auftretende Herausforderungen zu bewältigen.

Neben der Nachsorge sieht Ebert auch die Prävention als zentrales Anwendungsfeld. Online-Programme könnten beispielsweise auf einen stationären Aufenthalt vorbereiten und lange Wartezeiten überbrücken.

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