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Menière

Gentamycin verhindert Stürze

Patienten mit plötzlichen Stürzen ohne Bewusstseinsverlust hilft die Applikation eines Aminoglycosidantibiotikums ins Innenohr.

Veröffentlicht:

BOSTON. Durch die intratympanale Applikation von Gentamycin lassen sich bei Patienten mit Morbus Menière langfristig krankheitsbedingte Stürze verhindern. Das bestätigen Erfahrungen US-Ärzten (Laryngoscope 2014, online 12. April).

Wie die Ärzte um Dr. Lucas M. Viana von der Massachusetts-HNO-Klinik in Boston berichten, hatten sie bereits 1994 begonnen, die intratympanale Gentamycin-Behandlung bei hartnäckigem Morbus Menière zu nutzen. Die Wirkung des Antibiotikums beruht darauf, dass vestibuläre Typ-I-Haarzellen direkt geschädigt werden.

Wegen der guten Erfahrung begannen die Ärzte im Jahr 2002, auch Patienten mit plötzlichen Stürzen ohne Bewusstseinsverlust mit der Aminoglykosidapplikation zu behandeln. Zwischen 2002 und 2012 wurden an der Klinik 3450 Patienten mit Morbus Menière versorgt, von denen 320 Patienten eine Gentamycin-Therapie erhielten.

Darunter waren 23 Patienten mit plötzlichen Stürzen, die nach der Aminoglykosidbehandlung mindestens ein Jahr lang nachverfolgt wurden. Bei einem Patienten waren beide Ohren betroffen.

12 bis 120 Monate symptomfrei

Im Mittel kam es nach zehn Jahren erstmals zu einem plötzlichen Sturz, bei manchen sogar erst nach zwei Jahrzehnten, bei anderen schon ein Jahr nach der Menière-Diagnose. Die Ärzte instillierten den Patienten jeweils zunächst einmal 1 ml vorgewärmte Gentamycin-Lösung (40 mg/ml, pH 6,4) ins Mittelohr.

Hielten unter anderem die Menière-Attacken an, erfolgte eine weitere Injektion. Mehrere Injektionen innerhalb von drei Monaten wurden als ein Therapiezyklus gewertet.

Bereits mit einer Injektion gelang es bei 20 Patienten (mehr als 83 Prozent), die Stürze zu verhindern. Bei drei Patienten waren bis zu drei Injektionen erforderlich. Ein Patient sprach auf die Therapie nicht an. Durch die Injektionen wurde ein komplettes Ansprechen bei 95,8 Prozent erzielt, wie die HNO-Ärzte berichten. Das entspreche bisherigen Erfahrungen anderer Fachkollegen.

Die symptomfreie Zeit reichte von 12 bis 120 Monaten. Bei 15 Patienten mit einem Follow-up von mindestens zwei Jahren traten plötzliche Stürze bis zum Ende der Studie nicht mehr auf. Angaben zu den übrigen Patienten fehlen.

Nach Angaben von Viana und Kollegen empfehlen sie Patienten, die nicht auf Gentamycin ansprechen, eine chirurgische Labyrinthektomie oder eine Vestibularisneurektomie. Sieben Patienten ihrer Untersuchung wünschten sich dagegen zunächst einmal lieber einen weiteren Gentamycin-Zyklus. (ple)

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