Ärzte Zeitung, 24.07.2014

Gedächtnisleistung

Kein Argument gegen nötige Anästhesien

Kinderchirurgen wehren sich gegen aktuelle Negativ-Berichte über Anästhesien bei Kleinkindern.

BERLIN. Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) wendet sich gegen Medienberichte, wonach eine Allgemeinanästhesie bei Säuglingen und Kleinkindern das Gedächtnis lebenslang beeinträchtigen könnte. Solche Aussagen seien wissenschaftlich nicht haltbar und verunsichern Eltern, so die DGKCH in einer Mitteilung.

Die Berichte beruhen auf einer US-Studie (Neuropsychopharmacol 2014, online 9. Juni). Darin war die Gedächtnisleistung von 28 Sechs- bis Elfjährigen untersucht worden, bei denen im ersten Lebensjahr wegen einer Op eine Allgemeinanästhesie vorgenommen worden war.

Die Gedächtnisleistung der Kinder war gegenüber Gleichaltrigen ohne Anästhesieerfahrung um 25 Prozent verringert. Die Untersuchung schließt an tierexperimentelle Studien an, wonach Anästhetika und Sedativa die Entwicklung des noch unreifen Gehirns negativ beeinflussen können. Inwieweit sich dies auf Menschen übertragen lässt, ist umstritten.

Es sei verantwortungslos, solche Befunde als Argument gegen eine begründete Operation bei Kleinkindern zu verwenden, sagt DGKCH-Sprecher Dr. Tobias Schuster in der Mitteilung. "Es besteht Konsens, dass wir Kinder nur operieren, wenn es medizinisch geboten ist", so der Chefarzt der Kinderchirurgie am Klinikum Augsburg.

Das bevorzugte Op-Alter richte sich nach dem Krankheitsbild. Wichtige Erkenntnisse, etwa über den Op-Zeitpunkt bei Harnröhrenverkürzung, dürften jetzt nicht einfach über Bord geschmissen werden, so Schuster.

Eine noch unveröffentlichte prospektive Studie von Medizinern um Antje Allendorf vom Uniklinikum Frankfurt/Main stützt diese Einschätzung: Sie verglichen 40 Kinder einer Kontrollgruppe ohne Op mit 40 Kindern, die als Neugeborene wegen angeborener Fehlbildungen im Magen-Darm-Bereich operiert und anästhesiert worden waren.

Als Zweijährige hatten die Kinder keinen allgemeinen Rückstand in der motorischen und kognitiven Entwicklung. (eb)

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