Psychose

Gute Prognose nach langer Remission

Die Prognose nach einer ersten psychotischen Episode lässt sich am Rückgang der Positiv- und Negativsymptome ablesen. Vor allem solche Patienten, die lange keine Negativsymptome mehr zeigen, haben relativ gute Aussichten.

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MONTREAL. Derzeit wird viel geforscht, um Patienten mit einem hohen Psychoserisiko rechtzeitig zu erkennen und präventiv zu behandeln, aber auch bei Patienten mit einer ersten psychotischen Episode sind die Chancen noch relativ gut, eine dauerhafte Erkrankung abzuwenden.

Wichtig wäre hier, die wesentlichen Faktoren zu erkennen und anzugehen, die für eine gute Prognose entscheidend sind.

Bisherige Studien liefern allerdings kein klares Bild: In einigen erwiesen sich Negativsymptome als wichtigste Faktoren, andere sahen wiederum bei geringen kognitiven Defiziten die besten Chancen für eine langfristige Erholung.

Ein Team um den Psychiater Gerald Jordan von der Universität in Montreal analysierte Daten von über 200 Patienten, die nach einer ersten psychotischen Episode an einem kanadischen Frühinterventionsprogramm teilgenommen hatten. Bei drei Vierteln wurde eine Störung aus dem Schizophrenie-Spektrum diagnostiziert, ein Viertel litt an einer affektiven Erkrankung.

Die Patienten waren im Schnitt 22 Jahre alt, 70 Prozent waren Männer, und die meisten hatten ein Problem mit Alkohol oder illegalen Drogen (J Clin Psychiatry 2014; 75(6): e566-72).

30 Prozent Remission nach einem Jahr

Nach einem Jahr hatten 30 Prozent eine komplette Remission erreicht. Bei zwei Drittel aller Patienten waren die Positivsymptome komplett verschwunden, aber nur bei einem Drittel die Negativsymptome. Zwei Jahre nach der ersten Episode hatten immerhin 42 Prozent eine Komplettremission geschafft.

Knapp 70 Prozent zeigten nun keine Positivsymptome mehr, frei von Negativsymptomen waren aber nur 48 Prozent.

Daraus lässt sich bereits schließen: Verschwinden Halluzinationen und Wahnvorstellungen, ist dies für die Prognose weit weniger relevant als eine verbesserte Aufmerksamkeit, Sprache, Motivation und ein ausgeglichener Emotionshaushalt.

Wie sich herausstellte, zeigen die Patienten im Vergleich zu gesunden Probanden aber auch noch nach zwei Jahren in fast allen kognitiven Domänen Defizite. Diese traten jedoch weitgehend unabhängig von der Symptomremission auf. Lediglich nach Ablauf eines Jahres zeigte sich ein leichter Zusammenhang zwischen persistierender Negativsymptomatik und schlechter kognitiver Funktion, bezogen auf das Funktionsniveau der Patienten ergab sich jedoch keine Korrelation.

Kognitive Defizite prognostisch wenig relevant

Mit dem Einfluss des verbalen Gedächtnisses auf das Funktionsniveau ließen sich nur etwa 9 Prozent der Unterschiede damit erklären. Viel relevanter für die Frage, ob die Betroffenen nach ein oder zwei Jahren einen Job hatten, mit Freunden und Verwandten klar kamen und sich unter Menschen trauten, war aber, wie viele Monate lang sie ununterbrochen frei von Positiv- und Negativsymptomen waren.

Damit ließen sich etwa 38 Prozent der Unterschiede beim Funktionsniveau erklären, wobei hier wiederum Negativsymptome am stärksten ins Gewicht fielen, vor allem im ersten Jahr. Nach zwei Jahren erwies sich außerdem die Dauer der Remission bei den Positivsymptomen als wichtiger Prädiktor für ein gutes Funktionsniveau.

Die geringe Bedeutung der Kognition erklären sich der Studienautoren folgendermaßen: Kognitive Defizite behindern zwar die Fähigkeit, etwas zu leisten, Negativsymptome bremsen jedoch bereits die Motivation, etwas zu tun. Oder anders formuliert: Wenn jemand etwas nicht tun will, spielt es auch keine Rolle, ob er es tun kann. (mut)

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