Ärzte Zeitung online, 18.03.2015

DGPPN

Traumatisierte Menschen unzureichend versorgt

Menschen mit Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) werden in Deutschland nach Einschätzung der DGPPN nicht genügend versorgt. Das gelte vor allem für Flüchtlinge. Für Soldaten ist die Psychotherapie noch immer ein Stigma, berichtet ein Bundeswehr-Oberarzt.

BERLIN. Ein schwerer Unfall, eine Vergewaltigung oder Gewalterfahrungen über längere Zeit hinweg: Menschen mit psychischen Störungen nach einem Trauma werden in Deutschland nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) nicht ausreichend versorgt.

Neben langen Wartezeiten auf einen Facharzttermin in vielen Regionen hätten insbesondere Flüchtlinge auch mit sprachlichen Hürden zu kämpfen. Das teilte die DGPPN am Mittwoch mit.

Dabei sind Flüchtlinge und Asylbewerber den Angaben zufolge besonders gefährdet: Die Rate für die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) liege bei ihnen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung etwa zehnfach höher.

In Europa sind im Mittel jährlich etwa 2,3 Prozent der Menschen betroffen, teilte die DGPPN mit. Behandelt wird die PTBS mit einer Psychotherapie - zu der Flüchtlingen meist der Zugang fehle.

Psychische Störungen bei vielen Bundeswehrsoldaten

Anders ist die Situation bei Soldaten, die wie Einsatzkräfte zu den Risikogruppen zählen: Psychotherapie sei noch immer mit einem Stigma verbunden, sagte der Leitende Oberarzt des Zentrums für Psychiatrie und Psychotraumatologie am Bundeswehrkrankenhaus Berlin, Gerd Willmund, der dpa.

"Wir müssen die Früherkennung im Auge behalten und Soldaten auffordern, sich zu melden."

Studien zufolge leidet rund ein Fünftel der Bundeswehrsoldaten vor und nach Auslandseinsätzen an psychischen Störungen: Dazu zählen vor allem Angststörungen, aber auch depressive Erkrankungen, Suchtkrankheiten und die PTBS.

In der Regel würden Soldaten vor und nach Einsätzen von Truppenärzten untersucht - nicht immer würden sie offen über Belastungen sprechen, sagte Willmund.

Mit einem neuen Konzept zur "Psychischen Fitness" solle die Vorsorge für den einzelnen besser werden: mit zusätzlichen psychischen Screenings nach der Einstellung, im Dreijahresintervall, vor dem ersten Einsatz und nach allen Einsätzen.

Viel verspricht sich Willmund von einem Computerprogramm, das Soldaten - und vielleicht eines Tages auch zivile Betroffene - vorbeugend wie ein virtueller Trainer begleitet.

Dadurch sinke die Hemmschwelle, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Geübt werde mit der Software zum Beispiel, wie man mit dem Partner oder Kindern über Einsätze sprechen kann. Es wurde in einer ersten Phase 2012 mit 67 Teilnehmern erprobt.

Internetbasierte Therapiemodule geplant

Ob die Ergebnisse so positiv sind, wie es bisher den Anschein habe, soll eine Publikation noch in diesem Jahr zeigen. Eine Therapie ersetzen könne der PC jedoch nicht, betonte Willmund.

Dennoch seien internetbasierte Therapiemodule für PTBS-Patienten als folgendes wissenschaftliches Projekt geplant.

Würden Traumafolgestörungen nicht frühzeitig behandelt, könnten Angststörungen, Depressionen oder auch Suchterkrankungen hinzukommen, warnte die DGPPN. (dpa)

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