Ärzte Zeitung, 25.02.2016

Arbeitsmedizin

Junge sind unkonzentriert, Alte erschöpft?

Mit einem mobilen EEG haben Wissenschaftler Alterseffekte am Arbeitsplatz untersucht.

DORTMUND. Es gibt das gängige Vorurteil, dass jüngere Arbeitnehmer unaufmerksamer arbeiten, ältere hingegen schneller ausgelaugt sind. Forscher konnten diese Klischees in einem realen Arbeitsszenario teilweise nachweisen und darüber hinaus bestätigen, dass mobile EEGs eine praktikable Lösung für physiologische Vor-Ort-Untersuchungen sind (Front Hum Neurosci 2016; 9:711).

Für die Studie wurde die Umgebung einer Poststation einer großen Handelskette im Labor nachgebildet, teilt das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) mit. Die 25 Probanden mussten den für diesen Arbeitsplatz typischen, eher monotonen Aufgaben nachgehen und zwischendurch spezifische Konzentrationstests machen. Die Forscher konnten bei jüngeren Probanden messen, dass sie stärker unter der Monotonie leiden, weniger Energie in die Aufgabe stecken und unkonzentrierter sind. Ältere hingegen waren zwar deutlich fokussierter, sie verbrauchten jedoch mehr Energie und ermüdeten schneller.

Zur Aufzeichnung der kognitiven Aktivität wurde ein mobiles EEG verwendet. Doch wie lässt sich die Aufzeichnung des EEGs mit bestimmten Umwelteinflüssen in Beziehung setzen, wenn sich die Reize aus der natürlichen Umgebung zeitlich nicht beeinflussen lassen? Für eine Auswertung der Signale ist es unerlässlich, die Gehirnaktivität mit externen Reizen zeitlich zu verknüpfen, um eine eindeutige Relation zu erkennen.

Die Forscher haben dafür eine Lösung gefunden. Jedes Blinzeln wurde zeitlich exakt erfasst. Der Augenaufschlag wurde als Zeitpunkt für einen neuen Sinneseindruck festgelegt. Damit konnten in einer realen Arbeitssituation äußere Reize den Gehirnaktivitäten zugeordnet werden. Die Forscher vergleichen die Signale der mobilen Studie mit denen aus einem klassischen Laboraufbau und stellten fest, dass die Signale übereinstimmten, so das IfADo. Mobile EEGs eröffnen somit neue Optionen für die Messung kognitiver Aspekte von Arbeitssituationen. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »