Ärzte Zeitung, 05.10.2004

Antidepressiva sollten im Beruf nicht stören

Unerwünschte Wirkungen können bei Sprechberufen hinderlich sein / Behandlung über mindestens ein Jahr

KÖLN (kas). "Herr Doktor, ich bin depressiv" - diesen Satz wird man nur selten von depressiven Patienten hören. Gerade berufstätige Patienten mit Depressionen sind sich ihrer Erkrankung oft nicht bewußt und klagen häufig nur über körperliche Beschwerden. Bei bestimmten Beschwerden lohnt es sich daher, gezielt nach Symptomen einer Depression zu fragen.

Im Gespräch mit Patienten wie hier in einer Hausarztpraxis gibt es oft wichtige Hinweise auf eine Depression. Foto: klaro

Häufig kommen depressive Patienten mit Symptomen wie Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Verspannungen in die Praxis. Daran erinnerte Dr. Wolfgang Axel Dryden aus Kamen. Auch gastrointestinale Beschwerden, Druckgefühl in Hals oder Brust, Sehstörungen und Schwindelgefühl sowie Blasen- und Menstruationsstörungen würden häufig genannt.

Hierfür finde sich bei Depressiven meist keine organische Ursache. Im Gespräch mit solchen Patienten sollte man daher nach depressiver Stimmung, Verlust von Interesse und Freude, Antriebsstörung, Denkhemmung, Grübeln, gestörtem Schlaf und Suizidgedanken fragen, so Dryden bei einer von Pfizer unterstützten Veranstaltung des Deutschen Hausärzteverbands in Köln.

Die nächste Schwierigkeit besteht darin, den Patienten die Diagnose Depression zu vermitteln. Nach den Erfahrungen von Professor Klaus Wahle aus Münster wird diese Diagnose leichter akzeptiert, wenn man sie als Stoffwechselerkrankung des Gehirns erklärt - ein Ungleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn.

Die Therapie ist so zu wählen, daß unerwünschte Wirkungen die Patienten im Beruf nicht stören. Bei Sprechberufen ist Mundtrockenheit sehr störend, ebenso sind es Akkomodationsstörungen bei Leseberufen. Trizyklische, aber auch einige neuere Antidepressiva mindern die kognitive Leistungsfähigkeit, was etwa die Fahrtauglichkeit einschränkt. Nicht-sedierende Antidepressiva mit ausgeprägt dopaminerger Komponente wie Sertralin (Zoloft®) scheinen dagegen die Reaktionsfähigkeit und damit auch bei der Fahrtauglichkeit nicht zu beeinträchtigen.

Es soll nur ein Antidepressivum gegeben werden, dieses aber ausreichend dosiert und über mindestens ein Jahr. Man sollte jedoch den Patienten mitteilen, daß die Wirkung erst nach ein bis zwei Wochen einsetzt. Für diese Zeit sollte man ihnen eine Telefonsprechstunde anbieten.

Weitere Tips gibt es im BDA-Leitfaden "Depressionen im Berufsleben", der über den Pfizer-Außendienst und bei der Kybermed GmbH (info@kybermed.de) erhältlich ist.

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