Ärzte Zeitung, 06.12.2004

Gute Remission mit Duloxetin bei Depression

Meta-Analyse vorgestellt

BERLIN (gvg). Bei einer Behandlung von depressiven Patienten mit dem kombinierten Noradrenalin-/Serotonin-Wiederaufnahmehemmstoff Duloxetin sind die Chancen auf eine vollständige Rückbildung der Symptomatik höher als bei reinen Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI). Darauf deuten zumindest erste Studiendaten.

"Anders als reine SSRI hat Duloxetin zusätzlich zu seiner Wirkung am Serotoninrezeptor eine hohe Affinität zum Noradrenalinrezeptor", sagte Professor Heinrich Sauer von der Universität Jena auf dem Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde in Berlin.

Dadurch wird im synaptischen Spalt sowohl die Serotonin- als auch die Noradrenalinkonzentration erhöht. Diese Eigenschaft scheint mit höheren Remissionsraten einherzugehen, sagte Sauer auf der von den Boehringer Ingelheim und Lilly unterstützten Veranstaltung.

So ergab eine Metaanalyse, für die Daten von insgesamt über 900 schwer depressiven Patienten berücksichtigt wurden, daß bei einer SSRI-Behandlung bei 29 Prozent der Patienten innerhalb von acht Wochen mit einer Remission gerechnet werden kann. Bei einer Duloxetintherapie dagegen erreichen 38 Prozent der Patienten eine Remission.

Berücksichtigt wurden Studien mit Patienten, die vor Beginn der Therapie einen Wert auf der Hamilton-Depressionsskala von mindestens 18 hatten. Eine Remission wurde definiert als eine Senkung des Werts auf auf sieben oder weniger Punkte.

Der Unterschied könnte auch prognostisch bedeutsam sein: "Wir wissen, daß Patienten, bei denen eine rasche Remission gelingt, seltener rückfällig werden", sagte Professor Max Schmauß vom Bezirkskrankenhaus Augsburg. Die Rückfallrate bei Patienten mit Restsymptomen sei etwa dreimal so hoch wie bei jenen, bei denen eine Remission erreicht wird, berichtete Schmauß.

Die Markteinführung von Duloxetin in Deutschland wird für Anfang 2005 erwartet. Das Antidepressivum soll dann unter der Bezeichnung Cymbalta® erhältlich sein.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Im Sushi war der Wurm drin

Der Hinweis aufs Sushi brachte die Ärzte auf die richtige Spur. Statt den Patienten wegen Verdachts auf akutes Abdomen zu operieren, führten sie eine Gastroskopie durch. mehr »

Importierte Infektionen führen leicht zu Diagnosefehlern

Wann muss ein Arzt für eine Fehldiagnose gerade stehen? In einem aktuellen Fall entschied das Oberlandesgericht Frankfurt gegen einen Arzt. mehr »

"Turbolader einer Zwei-Klassen-Medizin"

Die Einheitsversicherung als Garant für Gerechtigkeit im Versorgungssystem? Aus Sicht von BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery eine fatale Fehleinschätzung. Die "Ärzte Zeitung" dokumentiert Auszüge aus seiner Ärztetags-Eröffnungsrede. mehr »