Ärzte Zeitung, 01.06.2005

Therapie bei Depression sollte Schmerz lindern

ATLANTA (ner). 40 Prozent der Patienten mit Depression sind mit ihrer Behandlung wenig oder gar nicht zufrieden. Ein Grund dafür ist, daß sich körperliche Schmerzen, die oft Depressionen begleiten, nur unzureichend bessern.

So lautet jedenfalls das aktuelle Ergebnis einer internationalen Umfrage im Auftrag der World Mental Health Federation (WMHF) sowie der Unternehmen Eli Lilly und Boehringer Ingelheim. Das Ergebnis wurde jetzt auf einer Veranstaltung der beiden Unternehmen vorgestellt. Insgesamt waren Anfang dieses Jahres 377 Patienten mit Depression und 756 Ärzte befragt worden.

Drei von vier Patienten würden das Behandlungsregime wechseln, wenn schmerzhafte Symptome komplett verschwinden würden, so Dr. Michael Bauer von der Charité Berlin beim Kongreß der American Psychiatric Association (APA) in Atlanta in den USA. 85 Prozent der befragten Ärzte stimmten der Aussage zu, daß eine depressive Person mit größerer Wahrscheinlichkeit geheilt werden könne, wenn sowohl die psychischen Symptome als auch die Schmerzen verschwänden.

Bauer zitierte zwei Studien, wonach selbst mit Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI) zwar die psychischen Symptome, nicht aber die körperlichen Symptome verschwinden. Eine weitere Umfrage habe ergeben, daß ein Drittel der Ärzte kaum oder nur wenig mit den zur Zeit verfügbaren Antidepressiva zufrieden ist.

In der Studie hatten fast 70 Prozent der Patienten angegeben, daß ihre Depression mit körperlichen Beschwerden einhergehe. Deshalb forderte die Präsidentin der WFMH, Dr. Patt Franciosi, Therapien, die beide Aspekte der Depression erfassen.

Ein therapeutischer Ansatzpunkt scheint die Blockierung der Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin aus dem synaptischen Spalt zu sein, wie Studien mit dem Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Duloxetin (Cymbalta®) ergeben haben. Demnach nahmen vorhandene Schmerzen im Vergleich zu Placebo signifikant ab.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »