Ärzte Zeitung, 04.08.2005

Hypericum wirkt langfristig bei Depression

Johanniskraut war in Studien ähnlich effektiv wie Sertralin und Citalopram

NEU-ISENBURG (mut). Gute Daten zur Langzeittherapie mit Johanniskraut hat jetzt eine neue Studie ergeben. Ein halbes Jahr Therapie mit dem Hypericum-Extrakt STW3 (Laif® 600) war ähnlich gut wirksam wie eine Therapie mit dem synthetischen Antidepressivum Sertralin. Das Phytopharmakon wurde allerdings besser vertragen.

In der Doppelblind-Studie erhielten 241 Patienten mit einer mittelschweren Depression zunächst zwölf Wochen lang entweder einmal täglich 612 mg des Johanniskraut-Extraktes oder die übliche Tagesdosis von 50 mg Sertralin (Pharmacopsychiatry 38, 2005, 78).

Die Patienten hatten zu Beginn der Studie einen Wert auf der Hamilton-Depressionsskala (HAMD- 17) von im Schnitt 22 Punkten. Nach zwölf Wochen Therapie war der Wert mit dem Johanniskraut-Extrakt auf im Schnitt 8,3 Punkte gefallen, mit Sertralin auf einen Wert von 8,1 Punkten. Die Ansprechrate lag mit Johanniskraut bei 69, mit Sertralin bei 70 Prozent. Definiert ist die Ansprechrate als eine Reduktion des Punktwertes auf der HAMD-Skala um mindestens 50 Prozent.

Unerwünschte Wirkungen wurden mit Sertralin häufiger bemerkt (bei knapp 14 Prozent versus 10 Prozent mit Johanniskraut). Bei Sertralin wurden am häufigsten Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und Schwindel angegeben, bei Johanniskraut Magen-Darm-Beschwerden.

161 Patienten verlängerten die Studie um weitere 12 Wochen. Nach insgesamt 24 Wochen lag der HAMD-Wert aller Patienten mit Hypericum bei 5,7 Punkten, mit Sertralin bei 7,1 Punkten. Angesprochen hatten nach dieser Zeit 84 Prozent der Patienten mit Johanniskraut und 81 Prozent mit Sertralin.

Die Studie bestätigt die Daten einer vorausgegangenen Vergleichsstudie. Darin wurde die Wirksamkeit von täglich einmal 900 mg des Hypericum-Extraktes STW3-VI (Laif® 900) mit der üblichen Tagesdosis von täglich 20 mg Citalopram sowie mit Placebo verglichen. Knapp 400 Patienten mit mittelschwerer Depression (HAMD-Wert von 22) nahmen an der Studie teil.

Nach sechs Wochen war der HAMD-Wert mit Placebo im Median auf 14 Punkte, mit Citalopram auf zehn und mit Hypericum auf neun Punkte gefallen. Hypericum wurde ähnlich gut vertragen wie Placebo, aber besser als Citalopram (Phytopharmaka und Phytotherapie, Forschung und Praxis, 2004, 84)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »