Ärzte Zeitung, 24.08.2005

Retard-Valproat für Bipolar-Störungen zugelassen

Vorteilhaft ist die Therapie bei manisch-depressiven Mischzuständen / Gutes Ansprechen bei häufigen Phasen

MÜNCHEN (wst). Valproat wird seit Jahren Off-Label in der Therapie bei akuten Manien und zur Prophylaxe manischer und depressiver Episoden verwendet. Seit Juli ist das Valproat-Retardpräparat Orfiril® long bei diesen Indikationen zugelassen.

Darauf hat Professor Jörg Walden von der Universitätsklinik Münster auf einer Veranstaltung des Unternehmens Desitin in München hingewiesen.

Mit der Zulassung entfallen Haftungs- und Erstattungsprobleme, die bei bipolaren Störungen die Verwendung der sehr wirksamen und relativ gut verträglichen Substanz vor allem bei den niedergelassenen Kollegen begrenzt haben.

Walden nannte einige Prädiktoren, die bei bipolaren Störungen sowohl bei akuter Manie als auch in der Phasenprophylaxe mit Valproat eine bessere Wirksamkeit als mit Lithium erwarten lassen. Dazu gehört nach seinen Angaben etwa, wenn die Patienten einen manisch-depressiven Mischzustand haben, also gleichzeitig sowohl manische als auch depressive Symptome haben.

Auch Patienten mit mehr als vier Krankheitsphasen pro Jahr, die als Rapid Cycler bezeichnet werden, sprächen besser auf Valproat als auf Lithium an, berichtete Walden. Das gleiche gelte für Patienten mit psychotischen Symptomen.

Für Patienten mit den genannten Symptomen empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in ihren Leitlinien bereits die Substanz als Mittel der ersten Wahl. Das gilt ebenso bei akuten Manien und zur Phasenprophylaxe.

Lediglich in der Akutbehandlung und Phasenprophylaxe von Patienten mit euphorischer Manie steht Lithium noch gleichberechtigt zu Valproat an erster Stelle, berichtete der Wissenschaftler.

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