Ärzte Zeitung, 18.04.2007

Depression bald zweithäufigste Erkrankung?

WIESBADEN (dpa). Depressionen könnten 2020 weltweit zur zweithäufigsten Krankheit werden. 1990 lagen Depressionen noch auf Rang vier der häufigsten Erkrankungen.

Die Gmünder Ersatzkasse hatte 2006 Zahlen bekannt gegeben, nach denen die Zahl der Krankenhaus-Patienten mit Depressionen in vier Jahren um 40 Prozent gestiegen war. Inzwischen hätten etwa zwölf Prozent der Patienten, die eine Arztpraxis aufsuchen, eine Depression, sagte Dr. Pia Heußner, Leiterin der Psycho-Onkologie an der Uni München-Großhadern. Häufiger als Depressionen seien bald nur noch kardiovaskuläre Erkrankungen, so Heußner beim Internisten-Kongress.

Die Ärztin erklärte den weltweiten Anstieg mit veränderten Umwelt- und Lebensbedingungen. Außerdem sei vermutlich die Sensibilisierung für Depressionen gestiegen, sodass sie auch häufiger diagnostiziert würden. Zudem lasse die Tabuisierung dieser Krankheit nach, sie sei gesellschaftsfähiger geworden: "Es darf offen darüber gesprochen werden." Genetische Faktoren könnten einen Anteil von 50 bis 80 Prozent ausmachen. Weitere Auslöser seien schwere chronische Erkrankungen sowie Stoffwechsel-Änderungen.

Obwohl Psychopharmaka gut helfen, würden sie oft abgelehnt. Dies erklärt sich Heußner damit, dass ältere Arzneien oft starke unerwünschte Wirkungen wie Gewichtszunahme und trockenem Mund haben. Neue Mittel seien jedoch sehr viel besser verträglich und wirkten auch schneller.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Kaum Prognosen bei Depression möglich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Amazonas-Volk hat die gesündesten Gefäße weltweit

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »

Kiffen schädigt wohl doch Herz und Hirn

Cannabis-Konsum erhöht offenbar doch das Risiko für Schlaganfall und Herzschwäche. Zumindest hat sich ein entsprechender Zusammenhang in einer umfassenden US-amerikanischen Analyse gezeigt. mehr »