Ärzte Zeitung, 25.01.2008

Frühe antidepressive Therapie begünstigt Langzeiterfolg

Depressive haben oft Angststörungen / Escitalopram wirkt gegen beide Erkrankungen

BERLIN (ugr). Entscheidend für den Erfolg einer antidepressiven Therapie ist die Zeit bis zum Wirkeintritt. Je früher die Patienten auf eine Medikation ansprechen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für einen langfristigen Behandlungserfolg.

 Frühe antidepressive Therapie begünstigt Langzeiterfolg

Besonders alte Menschen fühlen sich oft einsam.

Foto: imago

Im Alltag bewährt habe sich der selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Escitalopram (Cipralex®), berichtete Professor Hans-Jürgen Möller aus München beim DGPPN-Kongress in Berlin.

Möller stellte zwei Anwendungsbeobachtungen vor, an denen knapp 15 000 Patienten teilgenommen haben. In der ersten, offenen Anwendungsbeobachtung wurden 11 760 Patienten acht Wochen mit Escitalopram behandelt. Der mittlere CGI-S (Clincal Global Impression Scale) nahm von 4,7 auf 3,1 ab. Der Gesamtsummenwert einer modifizierten Version der Montgomery Asberg Depression Rating Scale (svMADRS) reduzierte sich von 31,8 auf 12,4.

Anderen Studien zufolge ist der frühe Wirkeintritt von Bedeutung: 63 Prozent der Patienten, bei denen sich bereits nach zwei Wochen Behandlung der MADRS-Score um mindestens 20 Prozent reduzierte, erreichten nach acht Wochen eine Remission. Blieb der frühe Therapieerfolg aus, kam es nur selten zur Remission.

Depressive Patienten haben häufig zusätzlich Angststörungen. Die Komorbidität erschwere meist die Behandlung, so der Psychiater. Der selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Escitalopram aber hat auch eine Zulassung für generalisierte Angststörungen, wie Möller bei einer Veranstaltung des Unternehmens Lundbeck sagte. In der zweiten Anwendungsbeobachtung erhielten 2911 Patienten mit Angst und Depression 16 Wochen lang Escitalopram. 73 Prozent sprachen nach der MADRS-Skala mit mindestens 50-prozentiger Symptomreduktion an.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Ärzte können künftig Medizinalhanf verordnen

Nach jahrelanger Debatte regelt das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu. Krankenkassen müssen künftig die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »