Direkt zum Inhaltsbereich

Atypische Antipsychotika gewinnen an Bedeutung

MÜNCHEN (wst). Bipolare Störungen beginnen meist bereits in der Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter. Um akute manische Episoden in den Griff zu bekommen und das Risiko manischer Rezidive zu vermindern, gewinnen atypische Antipsychotika an Bedeutung.

Veröffentlicht:

Bei einigen Patienten mit bipolarer Störung kommt es nur zu einer einzigen Krankheitsepisode. Weitaus häufiger verläuft die Krankheit aber rezidivierend, wobei zwischen den Episoden oft keine vollständige Genesung eintritt. Darauf hat Professor Michael Bauer aus Dresden hingewiesen.

Angesichts des hohen Leidensdruckes und der hohen Begleitrisiken sei es um so bedauerlicher, dass viele bipolare Erkrankungen nicht oder erst mit erheblicher Verzögerung korrekt diagnostiziert werden, so der Experte auf einer Veranstaltung der Unternehmen Bristol-Myers Squibb und Otsuka in München. Nach Daten einer 2003 veröffentlichten großen Reihen-Untersuchung aus den USA mit 125 000 Erwachsenen waren 3,7 Prozent bipolar erkrankt, von diesen hatten jedoch nur 20 Prozent die richtige Diagnose.

Sind bei rein depressiven Episoden moderne Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Mittel der Wahl, gewinnen bei manischen Episoden atypische Antipsychotika an Gewicht. Gemäß den frisch überarbeiteten britischen NICE-Leitlinien sollte bei bislang unbehandelten Patienten mit bipolarer Störung gegen schwere manische Episoden primär ein atypisches Antipsychotikum verabreicht werden, sagte Bauer. Ist damit in der üblichen Dosierung keine ausreichende Linderung zu erreichen, sollte zusätzlich mit Stimmungsstabilisatoren wie Lithium oder Valproat therapiert werden. Umgekehrt sollte nach den NICE-Leitlinien bei mit Lithium oder Valproat wenig erfolgreich behandelten Patienten versucht werden, mit einem modernen Antipsychotikum zu behandeln.

Neu zugelassen bei Patienten mit manischen Phasen bei einer Bipolar-I-Störung ist seit kurzem Aripiprazol (Abilify®). In Studien blieben mit dem atypischen Antipsychotikum innerhalb von zwei Jahren 80 Prozent der Patienten rezidivfrei, mit Placebo nur 50 Prozent.

STICHWORT

Bipolare Störung

Die bipolare Störung ist ähnlich häufig wie Schizophrenie, aber seltener als eine unipolare Depression. Nahezu vier Prozent der Erwachsenen haben manisch-depressive Phasen. Bipolare Störungen sind zudem von allen psychischen Erkrankungen mit dem höchsten Suizidrisiko behaftet. Ein Drittel aller Betroffenen unternimmt mindestens einen Suizidversuch, und 15 Prozent aller schwer Erkrankten bringen sich tatsächlich um. Frühberentung ist die Regel, und die meisten Betroffenen haben schon bis zum 40. Lebensjahr ihren beruflichen Werdegang beendet. Auch ist unter bipolar erkrankten Patienten mit einer Häufigkeit von 30 bis 40 Prozent Alkohol- und Drogenabusus überdurchschnittlich weit verbreitet. Die Komorbidität mit Angststörungen wird in der wissenschaftlichen Literatur mit 20 bis 40 Prozent beschrieben.

(wst)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Empfehlungen für die Therapie

So holen Sie Ihre Patienten aus der Post-Stroke-Depression

Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
An der Frankfurt School of Finance & Management im Norden der Mainmetropole wird auch in diesem Jahr der Tag der Privatmedizin 2026 ausgerichtet. Die Veranstaltung ist für den 21. November angesetzt. (Archivbild)

© Frankfurt School of Finance & Management

Update

Praxiswissen und Innovation

Privatmedizin: Anregungen für die Praxis in Frankfurt am 21. November

Logo Cardisio

© Cardisio

Cardisio

Cardisiographie mit LVEF-Erkennung

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Abb. 1: Ofatumumab-Konzentrationen in der Muttermilchh

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Flexiblere Familienplanung durch kürzere Kontrazeptionszeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Leitlinien-Update

Welcher Kompressionsstrumpf ist der richtige?

Lesetipps
Farbige Röntgenaufnahme der Lendenwirbelsäule mit einem Kompressionsbruch

© ALAIN POL / Science Photo Library

Risikopatienten identifizieren

Osteoporose: So verhindern Sie die (nächste) Fraktur

Group of people over vintage colors background smiling with hands on chest with closed eyes and grateful gesture on face. Health concept.

© Krakenimages.com / stock.adobe.com

Diskriminierung

Rassismus in der Hausarztpraxis: Warum Hinschauen die Versorgung verbessert