Ärzte Zeitung, 03.06.2009

Wenn Depressionen nicht restlos gehen

Bei Residualsymptomen ist eine individuell angepasste Medikation angezeigt

FLORENZ (aam). Eine bessere Beteiligung der Patienten an den Entscheidungsprozessen zur Therapie bei einer Depression trägt dazu bei, unerwünschte Wirkungen zu vermeiden und die Therapietreue zu verbessern. Das gilt auch für eine auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Pharmakotherapie.

Wenn Depressionen nicht restlos gehen

Bei älteren Männern wird eine Depression häufig nur schwer erkannt.

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Um die Chance auf Remission zu erhöhen, sollte sich die Auswahl eines Antidepressivums nach den vorherrschenden Symptomen richten, sagte Professor Stephano Pallanti bei einem Symposium des Unternehmens GlaxoSmithKline in Florenz. Das setze voraus, den Patienten stärker in den Entscheidungsprozess einzubeziehen, seine Bedürfnisse zu ergründen und zu überprüfen, ob er die Informationen über erwünschte und unerwünschte Wirkungen verstanden habe.

Eine bessere Beteiligung der Patienten an der Behandlung erhöhe ihre Zufriedenheit sowie die Therapietreue signifikant. Zudem müsse die Bewertung von Residualsymptomen durch Arzt und Patient im klinischen Alltag noch verbessert werden, so der Experte aus Florenz.

Für einen Patienten mit Residualsymptomen sollte man das Antidepressivum danach auswählen, ob es selektiv auf jenes Neurotransmittersystem wirkt, das diese Symptome bedingt, riet Professor David Nutt aus London. Wenn unter einer serotonergen Medikation sexuelle Dysfunktion, Fatigue, Schlafstörungen oder Anhedonie auftreten, könne man eine Augmentation der bisherigen Therapie mit einem Wirkstoff wie Bupropion (Elontril®) erwägen, der die dopaminerge und noradrenerge Neurotransmission fördert. In Frage komme aber auch eine Umstellung auf eine Substanz mit anderem Wirkmechanismus.

In der antidepressiven Wirksamkeit sei Bupropion den SSRI ähnlich, die Verträglichkeit jedoch besser, sagte Nutt. Außerdem gehen Somnolenz und Fatigue mit Bupropion einer Studie zufolge stärker zurück als mit SSRI (Biol Psychiatry 60, 2006, 1350). Nach einer aktuellen Metaanalyse hat der Wechsel auf nicht-SSRI-Antidepressiva wie Bupropion, Mirtazapin oder Venlafaxin die Chance auf eine Remission im Vergleich zu einer Umstellung auf einen zweiten SSRI um 30 Prozent erhöht (Biol Psychiatry 41, 2008, 58).

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