Ärzte Zeitung, 15.10.2009

Antidepressiva verhindern Suizidgedanken

Sowohl mit einem SSRI als auch mit einem Trizyklikum werden suizidale Absichten reduziert

LONDON (ner). Psychiater aus mehreren europäischen Ländern widersprechen Berichten, wonach moderne Antidepressiva vermehrt zu Suizidgedanken und Suiziden führen. Sowohl unter einem trizyklischen Antidepressivum als auch unter einem SSRI gingen in einer Studie die Suizidgedanken zurück.

Teilgenommen hatten an der Studie mit der Bezeichnung GENDEP* mehr als 800 Männer und Frauen mit moderater bis schwerer Depression aus acht europäischen Ländern, darunter Deutschland. Die Studie von Dr. Nader Perroud vom King's College London und seinen Kollegen wird demnächst in der Zeitschrift BMC Medicine erscheinen.

Die Teilnehmer hatten zwölf Wochen lang 50 bis 150 mg Nortriptylin oder 10 bis 30 mg Escitalopram täglich erhalten. Suizidgedanken waren dabei kontinuierlich über zwölf Wochen dokumentiert worden, und zwar mit drei verschiedenen Methoden. Daraus ließ sich in beiden Behandlungsgruppen eine signifikante Reduktion der Suizidgedanken über den Studienzeitraum ablesen, auch wenn unter dem Trizyklikum die Werte etwas schlechter ausfielen als unter dem SSRI. Insgesamt werde damit der Nutzen einer Therapie mit Antidepressiva unterstrichen, so die Autoren.

Bei knapp einem Drittel der Patienten nahmen zu irgendeinem Zeitpunkt der Studie die Suizidgedanken zu, bei Männern deutlich häufiger mit dem Trizyklikum als mit Escitalopram, nicht so jedoch bei Frauen.

Neue Suizidgedanken traten zudem relativ gleichmäßig im Studienzeitraum von zwölf Wochen auf. Es gebe daher keinen Grund, am Anfang intensiv auf Suizidgedanken zu achten und später unaufmerksam zu werden, betonen Perroud und seine Kollegen.

Insgesamt gab es einen vollendeten Suizid einer Frau in der neunten Studienwoche. Von acht Patienten mit Suizidversuchen vor der Studie führte einer in der ersten Studienwoche erneut einen Suizidversuch aus.

*GENDEP: Genome Based Therapeutic Drugs for Depression

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Epidemiologische Kaffeesatzleserei?

Verursacht oder verhindert der Konsum von Kaffee Krankheiten? Die Klärung solcher Fragen zur Ernährung ist methodisch ein richtiges Problem. mehr »

Trotz Budgetierung gute Chancen auf Mehrumsatz

Seit vier Jahren steht das hausärztliche Gespräch als eigene Leistung im EBM (03230) . Immer wieder ist daran herumgeschraubt worden. mehr »

Erstmals bekommt ein Kind zwei Hände verpflanzt

Ein achtjähriger Junge mit einer tragischen Krankheitsgeschichte bekommt zwei neue Hände. Die Op ist ein voller Erfolg: Anderthalb Jahre später kann er schreiben, essen und sich selbstständig anziehen. mehr »