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Sexualfunktion

Strategien, wenn Psychopharmaka das Liebesleben beeinträchtigen

Sexuelle Funktionsstörungen sind bei Patienten mit Depressionen häufig. Ursache kann die Erkrankung selbst oder die Therapie mit Antidepressiva sein.

Sexuelle Funktionsstörungen sind bei Patienten mit Depressionen häufig. Ursache kann die Erkrankung selbst oder die Therapie mit Antidepressiva sein.

© Tomasz Trojanowski / fotolia.com

Eine unbeeinträchtigte Sexualität ist für die Lebensqualität auch psychisch kranker Menschen wichtig. Störungen der Sexualfunktion können bei ihnen durch die psychische Erkrankung selbst oder durch die medikamentöse Therapie ausgelöst werden.

Die Beachtung medikamenteninduzierter sexueller Funktionsstörungen hat daher auch für die Therapieadhärenz eine hohe Bedeutung. Darauf weisen Professor Wolfgang Weig von der Magdalenen-Klinik in Osnabrück und seine Kollegen hin.

In ihrem CME-Modul "Beeinträchtigung der Sexualfunktion durch Psychopharmaka und psychotrope Substanzen" berücksichtigen sie insbesondere die Probleme von Patienten mit depressiven Erkrankungen, Schizophrenie oder Suchterkrankungen.

Bei Patienten mit depressiven Erkrankungen sind sexuelle Störungen häufig. Teilweise sind sie auf die mit der Erkrankung verbundenen Symptome wie Libidominderung, Antriebslosigkeit, Interesse- und Freudlosigkeit zurückzuführen.

Oft sind sie auch eine Nebenwirkung einer ansonsten ausreichenden antidepressiven Pharmakotherapie. Die sexuellen Funktionsstörungen stellen für die Betroffenen erhebliche Stressoren dar, die die Lebensqualität beeinträchtigen, das Selbstwertgefühl mindern, zu Partnerschaftsproblemen führen können sowie den emotionalen und sozialen Rückzug verstärken.

 Die Autoren weisen darauf hin, dass für eine gute Compliance und somit für den Behandlungserfolg sexuelle Funktionsstörungen im Gespräch mit den Patienten erörtert werden sollten.

Denn viele depressive Patienten vermeiden es, ihren Arzt von sich aus auf ihre sexuellen Funktionsstörungen anzusprechen. So habe zum Beispiel eine Befragung der Patienten anhand von Fragebögen ergeben, dass etwa 59 Prozent der Patienten mit einer antidepressiven Medikation unter sexuellen Beeinträchtigungen litten, doch hatten nur etwa 20 Prozent von ihnen ihre sexuellen Funktionsstörungen spontan berichtet.

Aber auch die behandelnden Ärzte haben mitunter das Bedürfnis, sich und den Patienten vermeintlich "peinliche Situationen" zu ersparen und das Thema zu umschiffen, so die Autoren.

Zu beachten ist, dass stark serotonerg wirkende Antidepressiva häufiger sexuelle Funktionsstörungen hervorrufen als andere Antidepressiva. Hierzu zählen Citalopram, Clomipramin, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Mirtazepin, Paroxetin, Sertralin und Venlafaxin.

Für Patienten, deren Sexualfunktion durch eine Behandlung mit Antidepressiva beeinträchtigt wird, haben sich nach Angaben der Autoren folgende Interventionsmöglichkeiten bewährt:

  • Psychoedukative und kognitiv verhaltenstherapeutische Verfahren.
  • Reduktion der Dosierung des Antidepressivums, sofern eine ausreichende und stabile antidepressive Wirksamkeit vorhanden ist.
  • Wechsel des Antidepressivums, was eine probate Option ist, wenn zudem die erwünschte antidepressive Wirkung nicht erzielt worden ist. Bupropion und Agomelatonin verursachen Studien zufolge offenbar deutlich weniger sexuelle Funktionsstörungen als klassische Antidepressiva oder selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI).
  • Kurzfristiger Einsatz von Sildenafil, wenn eine Umstellung der antidepressiven Medikation nicht erfolgen kann. (mar)

Nur für Fachkreise: Zu dem Modul "Beeinträchtigung der Sexualfunktion durch Psychopharmaka und psychotrope Substanzen"

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