Direkt zum Inhaltsbereich

Psychotherapie schützt Depressive vor Rückfällen

Depressive Patienten, die nach der Akutmedikation eine Psychotherapie machen, haben ein verringertes Rückfallrisiko.

Veröffentlicht:

BOLOGNA (ars). Nach einer erfolgreichen medikamentösen Akuttherapie besteht ein hohes Risiko von Rückfällen und Rezidiven, besonders wenn weiterhin Residualsymptome vorhanden sind. Ob eine Psychotherapie dieses Risiko bei erfolgreich vorbehandelten Patienten mit Major Depression reduziert, untersuchten Wissenschaftler aus Bologna in einer Metaanalyse.

Rückfall- oder Rezidivrisiko 20 Prozent verringert

Dazu werteten sie acht Studien mit insgesamt 875 Patienten aus: Die eine Hälfte von ihnen erhielt sequentiell zuerst eine Pharmako-, dann eine Psychotherapie, die andere Hälfte eine Standardbehandlung (Psychol Med 2011; 41: 321-331).

Ergebnis: Durch die Psychotherapie war das Rückfall- oder Rezidivrisiko im Vergleich zu den Routinebedingungen um 20 Prozent verringert. Die fünf Studien, in denen die Medikation während der Psychotherapie fortgeführt wurde, ergaben als nicht signifikanten Trend eine Reduktion um 16 Prozent.

Deutlicher war der Unterschied in den drei Studien, in denen die Medikation während oder vor der Psychotherapie ausschleichend abgesetzt worden war: Hier war das Risiko um 35 Prozent vermindert. Welche Art der Verhaltenstherapie - etwa Mindfulness-based-cognitive-Therapie oder kognitive Verhaltenstherapie - genutzt wurde, erwies sich als unerheblich.

Psychotherapie als Prophylaxe

Fazit der Autoren um Dr. Jenny Guidi: Damit sei die Hypothese belegt, dass eine Psychotherapie auch nach einer antidepressiven Medikation langfristig nützt. Besonders wenn nach der Pharmakotherapie keine Vollremission eingetreten ist, sei wegen des dann erhöhten Risikos für einen chronischen Verlauf eine sequentielle Psychotherapie indiziert.

Damit stehe für Patienten, die eine weitere Einnahme von Antidepressiva ablehnen, eine Prophylaxe zur Verfügung, so Dr. Gabriele Hiller in einem Kommentar (Info Neurologie und Psychiatrie 2011; 7-8: 8-9).

Unklar bleibe, wie Patienten, denen es wieder gutgeht, zu einer Psychotherapie motiviert werden könnten. Überraschend sei, dass die Psychotherapie bei Absetzen der Antidepressiva besser wirke als bei fortgesetzter Behandlung.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

© William / Generated with AI / Stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Tab. 1: Stufentherapieschema zur verlaufsmodifizierenden Therapie der generalisierten Myasthenia gravis

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Generalisierte Myasthenia gravis

Krankheitssymptome und Therapielast wirksam lindern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Konzepte gegen Ärzte- und Nachfolgermangel

Mit dem Blockpraktikum Lust auf den Landarztberuf machen

Lesetipps
Impfheft

© Bildagentur-online / Ohde / picture alliance

Deutsche Studie

Wenn Atemwegsinfektionen aufs Herz gehen – was tun?

Ein Hund streckt seine Zunge raus

© gismo2015 / Stock.adobe.com

Haustiere

Kasuistik: Was passieren kann, wenn der Hund die Wunde ableckt