Depressionen

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Modul: Körperliche Aktivität bei unipolaren Depressionen: Bewegung als evidenzbasierter Baustein der multimodalen Therapie

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Ärzte Zeitung App, 03.12.2013

Depressionen

Sport hilft so gut wie Antidepressivum

Den Körper auf Trab zu halten, vertreibt Kummer und Sorgen bei Depressionskranken sowie Patienten mit Angststörungen wohl ebenso gut wie eine Behandlung mit Antidepressiva oder Anxiolytika. Darauf deutet eine Gesamtanalyse aller bekannten Studien zu dem Thema.

Von Thomas Müller

Sport hilft so gut wie Antidepressivum

Vertreibt die trüben Gedanken: Joggen durch den Herbstwald.

© Stefan Schurr / fotolia.com

SAN DIEGO. Antidepressive Effekte durch Sport werden immer wieder postuliert und in großen Studien beobachtet. Wie die bisherige Evidenz dazu aussieht, haben nun Wissenschaftler um Dr. Henning Budde von der Medical School Hamburg (MSH) in einer Mega-Analyse eruiert.

Dazu schauten sie sich 39 Metaanalysen an, die ihrerseits insgesamt fast 1600 Studien mit zusammen 142.000 Teilnehmer umfassten. Die Studien stammten alle aus den vergangenen 23 Jahren.

Wichtig für die Auswahl war, dass in all den Studien eine Effektgröße berechnet wurde. Diese war dann zumindest ein Kriterium, welches sich in den zahlreichen sehr unterschiedlichen Studien unabhängig vom Design vergleichen ließ.

Nach Angaben von Budde und Mitarbeitern ist ihre Analyse bisher die größte ihrer Art. Sie wurde auf dem Kongress der Society for Neurology in San Diego in den USA vorgestellt.

Moderater Nutzen bei Depressionen

Als Maß für den Nutzen von Sport gegen Depression und Ängste verwendeten die Hamburger Forscher den Cohens-d-Wert. Dieser gibt unabhängig von Studienzahl und -umfang eine Effektgröße an.

Nach Aussagen des Statistikers Jacob Cohen, der dieses Maß etabliert hat, deutet ein Wert ab 0,2 auf einen kleinen Effekt, ab 0,5 auf einen mittleren und ab 0,8 auf einen großen Effekt.

Für die etwa 61.000 Studienteilnehmer mit Ängsten ließ sich ein Cohens-d-Wert für den Effekt körperlicher Bewegung von 0,34 berechnen, was eher einen geringen Nutzen kennzeichnet.

Bei den 81.000 Teilnehmern mit Depressionen lag der Wert bei 0,56 und damit schon im Bereich eines moderaten Nutzens, berichtet das Medizin-Portal "Medpage Today".

Gegen Depression scheint körperliche Bewegung also etwas mehr zu bringen, das ließ sich auch mit anderen statistischen Verfahren bestätigen.

In einem Teil der Studien wurde Sport mit anderen Therapien verglichen. Interessanterweise war hier der Nutzen der körperlichen Bewegung sowohl bei Depressionen als auch bei Ängsten ähnlich groß wie eine medikamentöse oder eine psychotherapeutische Behandlung.

Sport wirkt ähnlich wie ein Antidepressivum

Budde und Mitarbeiter vermuten, dass Sport ähnlich wie ein Antidepressivum wirkt: Viel Bewegung lässt die Serotoninspiegel steigen und verbessert die noradrenerge Transmission im Gehirn.

Zudem begünstigte Sport in Studien das Wachstum neuer Nervenzellen im limbischen System.

Welche Konsequenzen lassen sich nun aus der Mega-Analyse ableiten? Da Sport kaum Kosten verursacht, kaum unerwünschte Wirkungen hervorruft und im Gegensatz zur Psychotherapie auch nicht so viel Zeit benötigt, sehen Budde und Mitarbeiter darin eine gute Ergänzung zu den anderen Verfahren.

Das Problem ist allerdings: Depressive gehen nicht gerne an die frische Luft oder ins Fitnessstudio. Mitten im Stimmungstief verspüren wohl die wenigsten große Lust, sich körperlich zu bewegen. Ganz auf Pillen und Psychotherapeuten verzichten kann man daher wohl doch nicht.

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[03.12.2013, 14:26:08]
Dr. Horst Grünwoldt 
Anti-Depressivum Sport
Die "neue" Studien-Erkenntnis, daß Sport gut gegen psychische Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit (sog. Depressionen) ist, dürfte eigentlich ein "alter Hut" sein!
Wer sich aufrafft, um sich zu bewegen, entflieht bekanntlich dem inaktiven "Sich-ergeben-Sein" und damit der neuro-muskulären Lähmung.
Das hatten schon die alten Römer mit dem Spruch vom gesunden Geist im gestählten Körper "erfunden".
So mancher, der sich in unseren Innenstädten morgens auf den Weg zur Lohn-Arbeit macht, wundert sich, daß jüngere Männer und Frauen im besten Erwerbsalter, so früh schon Gelegenheit zum schweißtreibenden Ausdauerlauf haben.
Oder laufen die schon zu Tagesbeginn in antidepressiver Absicht ihren Alltags- Problemen und Frustrationen davon? Der ganzheitliche Gesundheits-Effekt dürfte aber am größten sein, wenn die sportliche Betätigung der psychisch Belasteten in der vertrauten Gemeinschaft eines Vereins stattfindet.
Dabei kann gewiß so manche psychische Single-Blockade durch das wohlwollende Verständnis (neudeutsch: Enthalpie oder Einfühlungs-Vermögen) unter Gleichgesinnten gelöst werden; schon vor dem Gang zum Seelenarzt.
Vielleicht können die depressiven Mitmenschen dann sogar ganz auf die (teuren) psycho-therapeutischen Sitzungen und die Drogenbehandlung verzichten?
Schließlich sind die meisten Sportvereine e.V. auch aus guten anderen Gründen als gemeinnützig -und damit steuerbefreit- anerkannt!
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock
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[03.12.2013, 07:20:15]
Gerhard Leinz 
Sportfähigkeit herstellen...
Wenn depressive Sportfähig werden, so haben Sie zwei drittel des Heilungsweges geschafft. Um Sportfähigkeit, insbesondere Sportmotivation herzustellen, ist Motivationsarbeit in Gesprächen unerlässlich. Depressionen werden immer häufiger weil dem infektiösen desmotivationalen Denken (es hat ja allen keinen Sinn - in vielen Facetten) nicht begegnet werden kann. Leider wird von den "Gesundheits"machern (Politikern)die Menschlichkeit (Gesprächszeit) auf allen Ebenen des medizinischen Systems viel weniger (finanziell) belohnt (gefördert) als die industrielle diagnostische und teilweise fragwürdige Operationsindustrie.

Gerhard Leinz - Kiel zum Beitrag »

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