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Ärzte Zeitung online, 14.02.2014

Wie ein Antidepressivum

Rauchstopp tut auch der Psyche gut

Viele Raucher haben Angst, ohne Zigaretten Stress und Stimmungstiefs stärker ausgeliefert zu sein. Das ist jedoch ein Trugschluss, wie eine neue Studie zeigt - das Gegenteil könnte der Fall sein.

Rauchstopp tut auch der Psyche gut

Hier ist nur die Zigarette depressiv.

© Knut Wiarda / fotolia.com

BIRMINGHAM. Am physischen Nutzen besteht nicht der geringste Zweifel: Wer aufhört zu rauchen, senkt sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegsleiden und Krebs. Weniger klar ist, was der Rauchverzicht psychisch bewirkt. Viele Raucher sind überzeugt, dass Zigaretten ihnen über Nervosität, Ängste und schlechte Stimmung hinweghelfen. Und psychisch kranke Menschen sind häufig besonders starke Raucher. Könnte es also sein, dass nach dem Rauchstopp die seelischen Probleme zunehmen?

Das ist offenbar nicht der Fall, wie einer Metaanalyse von britischen Medizinern jetzt zu entnehmen ist. Sie haben alle einschlägigen Studien ausgewertet, in denen mit Hilfe von validierten Fragebögen verschiedene Dimensionen der psychischen Gesundheit vor und frühestens sechs Wochen, im Median sechs Monate, nach der Tabakentwöhnung erfasst worden waren.

Unter den 26 Studien war nur eine randomisierte, die Qualität zumindest von 20 Studien wurde aber als hoch bewertet. Keine der Studien war primär darauf angelegt, psychische Veränderungen festzustellen (BMJ 2014; 348: g1151).

Die Studienteilnehmer, darunter auch Patienten mit physischen oder psychischen Erkrankungen, waren im Median 44 Jahre alt, zu 48 Prozent männlich und bei einem durchschnittlichen Konsum von 20 Zigaretten pro Tag vorwiegend als mittelschwer abhängig eingestuft.

Nach der Tabakentwöhnung gaben sie an, signifikant weniger unter Angst, Depression, Angst und Depression zusammen und Stress zu leiden. Die standardisierten mittleren Unterschiede (SMD) im Vergleich zu Personen, die weiterhin rauchten, betrugen -0,37, -0,25, -0,31 und -0,27.

Parallel dazu hatten psychische Lebensqualität und positive Stimmung signifikant zugenommen (SMD: +0,22 und +0,40). Diese Ergebnisse blieben weitgehend unverändert, wenn Studien von geringerer Qualität oder mit einer Psychotherapie zur Unterstützung der Entwöhnung aus der Analyse ausgeschlossen wurden.

Raucher mit dem neuen Wissen beruhigen

Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen, für die Daten zu Angst, Angst/Depression und positiver Stimmung vorlagen, profitierten vom Tabakentzug in vergleichbarem Maß wie die Allgemeinbevölkerung.

"Es gibt eine einheitliche Evidenz dafür, dass das Einstellen des Rauchens mit Verbesserungen in Depression, Angst, Stress, psychischer Lebensqualität und Stimmungslage verknüpft ist", fassen Dr. Gemma Taylor von der Universität Birmingham und ihre Kollegen die Daten zusammen. Die Effektgröße sei klinisch relevant und mindestens vergleichbar mit der von SSRI bei Depressionen.

Die Art der Untersuchung lässt zwar keine Aussagen über Kausalitäten zu. Taylor und Kollegen halten es jedoch für unwahrscheinlich, dass der Rauchstopp die Folge einer besseren seelischen Verfasstheit oder beides die Folge eines anderen positiven Lebensereignisses war.

Denn in einigen Studien sei die Raucherentwöhnung zunächst nach randomisierten Vorgaben erfolgt, und ein positives Erlebnis würde die psychischen Parameter vermutlich nicht über so lange Zeit verbessern. Die britischen Ärzte gehen deswegen davon aus, dass der Rauchverzicht tatsächlich die Ursache für die bessere Stimmung darstellt.

Diese Annahme ist auch biologisch plausibel: Durch chronischen Tabakkonsum kommt es bekanntlich zu Anpassungen in der nikotinergen Signaltransduktion im ZNS. Der Wegfall von Nikotin führt zu schlechter Stimmung, Agitiertheit und Angst.

Raucher interpretieren diese Entzugssymptome jedoch häufig als Zeichen von Stress und seelischen Problemen. Weil Zigaretten die Beschwerden lindern, gehen sie davon aus, dass Rauchen dem psychischen Wohlbefinden zuträglich sei.

Laut Taylors Studie trifft das Gegenteil zu: "Raucher können beruhigt sein, dass die Aufgabe des Rauchens mit einem Gewinn für die psychische Gesundheit verbunden ist."

Auch psychisch kranken Menschen könne ohne Bedenken zum Entzug geraten werden: "Es ist unwahrscheinlich, dass der Rauchstopp ihre Beschwerden verschlimmert, vielmehr könnte er sogar therapeutisch wirken", schreiben Taylor und Kollegen. (bs)

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[17.02.2014, 22:47:27]
Eva Pichler 
Die ersten 7 Tage nach Nikotinentzug
Bei einer Raucherentwöhnung wurde ich darüber informiert, dass durch Nikotinzufuhr die Bildung von Endorphinen GESTOPPT wird. Gänzlich. Ursache dafür ist, dass Nikotin in Dopamin umgewandelt wird, und das Gehirn dadurch keine Endorphine bilden kann.
Erst ab 7 Tage nach Nikotinabstinenz fängt das Gehirn wieder an, Endorphine selbst zu bilden.
Somit ist der Rauchstopp in den ersten Tagen so fatal schwer, weil es weder Dopamin NOCH Endorphine gibt.. und man natürlich glaubt, dieser Zustand würde ewig andauern - und das hält ja wahrlich kein Mensch aus ;).

Innerhalb von 3 Wochen nach Nikotinstopp ist die Endorphinbildung wieder weitgehend normalisiert. Das heißt, wer die ersten drei Wochen schafft, müsste auch emotional-psychisch ziemlich drüber sein!!! zum Beitrag »

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