Ärzte Zeitung, 25.08.2015

USA

Auf dem Weg zum Depressions-Screening

Erwachsenen in den USA wird vielleicht demnächst bei einem Arztbesuch standardmäßig ein Depressionstest angeboten. Das jedenfalls schlägt die Präventions-Taskforce vor.

Von Thomas Müller

Auf dem Weg zum Depressions-Screening

Depression oder nicht? Ein Screening ist nur in Praxen mit adäquatem Unterstützungssystem sinnvoll.

© mangostock / fotolia.com

ROCKVILLE. Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass Depressionen zu den Hauptgründen für Behinderungen, Frühverrentung und Krankheitstage bei Erwachsenen zählen. Werden Depressionen rechtzeitig erkannt und behandelt, dann sollten sich die gesundheitlichen sowie sozioökonomischen Folgen des Leidens deutlich verringern lassen.

Die US-Preventive Services Task Force (USPSTF) sieht inzwischen genügend Hinweise aus Studien, dass ein Depressions-Screening tatsächlich zu einem besseren Verlauf der Erkrankung bei den Betroffenen führt, die über ein solches Screening erkannt werden.

In einem vor kurzem veröffentlichten Entwurf schlägt sie daher ein allgemeines Screening auf Depressionen in der primären Gesundheitsversorgung vor - mit besonderem Schwerpunkt auf Schwangeren und postpartalen Frauen.

Nach Überzeugung der USPSTF verbessert das Screening die "akkurate Erkennung von erwachsenen Patienten mit Depression". Werden solche Patienten anschließend mit Medikamenten und/oder Psychotherapie behandelt, ließen sich die klinische Morbidität reduzieren sowie höhere Ansprech- und Remissionsraten erzielen.

Die Taskforce erkennt außerdem genügend Belege dafür, dass eine kognitive Verhaltenstherapie Depressionen bei Schwangeren oder Frauen nach einer Geburt deutlich lindern kann.

Screening nur in geeigneten Praxen

Das empfohlene Screening sollte allerdings nur in Praxen und Einrichtungen erfolgen, die ein "adäquates Unterstützungssystem" implementiert haben. Damit will die Taskforce verhindern, dass die Patienten nach erfolgter Diagnose alleingelassen statt beraten und behandelt werden. Generell mache das Screening nur dort Sinn, wo eine gründliche Diagnose, eine wirksame Behandlung und eine vernünftige Nachbetreuung möglich seien.

Als Mindestvoraussetzungen für ein adäquates Betreuungssystem sieht die USPSTF eine Krankenschwester, die den Arzt (etwa einen Hausarzt oder Gynäkologen) gezielt bei den Depressionstests sowie ihrer Evaluation unterstützt und depressive Patienten einem Behandlungszentrum zuweist.

Besser wäre jedoch, wenn sowohl Ärzte als auch Schwestern an regelmäßigen Schulungen teilnehmen und selbst über ausreichende Ressourcen zur Nachbetreuung verfügen würden.

Bei den verwendeten Screening-Verfahren macht die Taskforce wenig Vorgaben. Geeignet seien etwa der Patient Health Questionnaire, die Hospital Anxiety and Depression Scale, die Geriatric Depression Scale oder die Edinburgh Postnatal Depression Scale.

Bei einem positiven Resultat sollten Ärzte die Patienten genauer auf die Schwere der Depression, psychische Komorbiditäten und mögliche alternative Diagnosen untersuchen.

Auch um Nebenwirkungen der Tests hat sich die USPSTF Gedanken gemacht. Sie seien jedoch gering bis nicht vorhanden. Ähnlich beurteilt die Taskforce die Nebenwirkungen einer kognitiven Verhaltenstherapie bei Frauen in oder nach der Schwangerschaft, sieht aber ein Potenzial für ernste Nebenwirkungen einer pharmakologischen Behandlung solcher Patientinnen, wenngleich die nur selten zu erwarten seien.

Verbindliche Empfehlung erwartet

Für Erwachsene allgemein erkennt die Taskforce auf der Basis von fünf randomisiert-kontrollierten Studien einen moderaten Nettonutzen des Screenings, ein ähnlicher Nettonutzen lasse sich ebenfalls anhand von sechs randomisiert-kontrollierten Studien für schwangere oder postpartale Frauen ableiten.

Der Entwurf darf jetzt einige Wochen lang diskutiert und kommentiert werden, anschließend wird eine verbindliche Empfehlung erwartet.

[25.08.2015, 16:38:10]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
In USA nehmen schon Schulkinder regelmäßig Antidepressiva und anderes
Psychologen sind dort unersättlich.
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