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Ärzte Zeitung, 09.12.2015

Schwermut

Lichttherapie auch bei Major-Depression

Die stimmungsaufhellende Wirkung einer Lichttherapie beschränkt sich nicht auf Herbst-Winter-Depressionen. Die Behandlung ist auch bei nichtsaisonaler Major-Depression wirksamer als eine Scheintherapie.

Von Beate Schumacher

Lichttherapie auch bei Major-Depression

Die Phototherapie soll die gestörte zirkadiane Rhythmik korrigieren.

© Klaus Rose

VANCOUVER. Bei saisonal bedingten affektiven Störungen (SAD) ist die Behandlung mit hellem Licht fest etabliert. Die Wirksamkeit der Phototherapie beruht vermutlich auf der Korrektur einer gestörten zirkadianen Rhythmik.

Solche Störungen der "inneren Uhr" spielen auch bei der Pathogenese nichtsaisonaler Depressionen eine Rolle.

In dieser Indikation war der Nutzen einer Lichttherapie bislang aber nicht erwiesen -allenfalls für den Einsatz ergänzend zu einer medikamentösen Therapie wurde eine geringgradige Evidenz gesehen.

Kanadische Psychiater haben die Wirkung deswegen jetzt in einer randomisierten placebokontrollierten Studie überprüft (JAMA Psychiatry 2015; online 18. November).

Wie Raymond W. Lam von der Universität in Vancouver und Kollegen berichten, erwies sich die Lichttherapie, allein oder kombiniert mit einem Antidepressivum, als "wirksame und gut verträgliche Behandlung von nichtsaisonalen Major-Depressionen".

Studie mit 122 ambulanten Patienten

An der Studie waren 122 ambulante Patienten im Alter von 19-60 Jahren mit mindestens mittelschwerer Depression (HAM-D-Skala ≥ 20) beteiligt.

Sie wurden acht Wochen lang mit Licht plus Placebotablette (32 Patienten), mit Fluoxetin 20 mg/d plus Scheingerätetherapie (31 Patienten), mit Licht plus Fluoxetin (29 Patienten) oder nur mit Placebo (20 Patienten) behandelt.

Für die Lichttherapie platzierten sich die Patienten jeden Morgen nach dem Aufwachen 30 Minuten lang vor einer Tageslichtlampe mit 10.000 Lux.

Statt einer Scheintherapie mit schwächerem Licht, die von den Patienten leicht als solche enttarnt erkannt werden kann, wurde ein deaktivierter "Ionen-Generator" verwendet, vorgeblich, um den Einfluss von Licht und Ionen zu vergleichen.

Primärer Endpunkt der Studie war die Verbesserung der depressiven Symptomatik gemäß der Montgomery-Åsberg-Depression-Rating-Skala (MADRS, 0-60 Punkte).

Der MADRS-Wert sank mit der Lichttherapie im Mittel um 13,4, mit Fluoxetin um 8,8, mit der Kombination um 16,9 und mit einer reinen Placebotherapie um 6,5 Punkte.

Nur mit Licht sowie mit der Kombinationstherapie war der Unterschied zur Placebotherapie signifikant. Die Kombination aus Licht und SSRI war zudem auch der alleinigen SSRI-Therapie überlegen.

Kombination aus Lichttherapie und Fluoxetin

Ein Therapieansprechen, sprich eine Reduktion des anfänglichen MADRS-Scores um mindestens 50 Prozent, zeigten 50 Prozent (Licht), 29 Prozent (SSRI), 76 Prozent (Licht + SSRI) und 33 Prozent der Patienten (Placebo).

Einen MADRS-Score von höchstens zehn Punkten und damit eine Remission erreichten jeweils 44, 19, 59 und 30 Prozent.

Rein rechnerisch müssen demnach 2,4 Patienten die Kombination aus Lichttherapie und Fluoxetin erhalten, damit ein Patient auf die Therapie anspricht. Die Number Needed to Treat (NNT), damit ein Patient in Remission gebracht wird, beträgt 3,5.

Alle Behandlungen wurden gut vertragen. Hinsichtlich der Häufigkeit von Nebenwirkungen gab es keine Unterschiede zwischen den vier Gruppen.

Laut Autoren handelt es sich bei der Studie um den "ersten placebokontrollierten Vergleich von Licht als Mono- und Kombinationstherapie und medikamentöser Therapie mit adäquater Dauer".

Dass Fluoxetin überraschenderweise nicht wirksamer als Placebo war, könnte den Autoren zufolge mit dem späten Wirkungseintritt zusammenhängen.

"Licht dagegen hat in den SAD-Studien oft schon innerhalb von ein bis zwei Woche Wirkung gezeigt." Die Aussagekraft der Studie werde außerdem durch die ungeplant geringe Probandenzahl geschmälert.

Darüber hinaus könnten auch höherer Dosierungen bei der Licht- wie der SSRI-Therapie eventuell die Ergebnisse noch verbessern.

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