Ärzte Zeitung, 26.06.2006

Zusatztherapie mit Zonisamid verhindert Epilepsie-Anfälle

In einer Studie ging die Zahl der Anfälle bei zwei Drittel der schwer behandelbaren Patienten zurück / Option bei fokaler Epilepsie

FRANKFURT AM MAIN (nsi). Seit einem Jahr ist das Antiepileptikum Zonisamid in Deutschland auf dem Markt. Nach ersten Untersuchungen hat es sich auch in deutschen Praxen gut bewährt: Die Zahl der Anfälle bei schwer behandelbaren Patienten mit fokalen Epilepsien ließ sich mit dem Medikament deutlich senken.

Professor Christian Elger: Bei Therapieresistenz sollten die Patienten früh zusätzlich Zonisamid erhalten. Foto: sko

Zugelassen ist Zonisamid (Zonegran®) als Zusatzmedikament für erwachsene Patienten mit fokalen epileptischen Anfällen mit und ohne sekundäre Generalisierung. "Zonisamid ist bei dieser Gruppe von Patienten hoch wirksam und sollte bei Therapieresistenz früh als Zusatzmedikament gegeben werden." Darauf wies der Epilepsie-Experte Professor Christian Elger von der Uniklinik Bonn auf einer Veranstaltung von Eisai in Frankfurt am Main hin.

Elger und sein Team werteten in einer Untersuchung Daten von 95 Patienten aus, die fokale Anfälle hatten und seit Sommer 2005 Zonisamid erhielten. Die Patienten hatten auf mehrere Antiepileptika nicht ausreichend angesprochen und bekamen durchschnittlich 6,5 Anfälle im Monat. Sie erhielten nun zusätzlich zu anderen Antikonvulsiva Zonisamid.

Zonisamid wurde wöchentlich in Schritten von 50 mg pro Tag aufdosiert, so daß die Patienten nach acht Wochen maximal 400 mg täglich einnahmen, oder nach sechs Wochen 300 mg pro Tag. Die durchschnittliche Dosis habe bei 328 mg am Tag gelegen, so Elger.

Die Hälfte der Studienteilnehmer beobachteten bei diesem Titrationsschema keine unerwünschten Wirkungen. Bei den übrigen traten teilweise Müdigkeit, kognitive Beeinträchtigungen oder Gewichtsverlust auf. Aber: "Epilepsiepatienten haben häufig erhöhtes Körpergewicht, und viele sind froh, wenn sie abnehmen", sagte Elger.

Die Ergebnisse: Bei fünf Patienten verschlechterten sich die Symptome, bei 23 Patienten blieben sie unverändert, und bei 67 Patienten verringerte sich die Anfallshäufigkeit auf durchschnittlich 2,6 pro Monat. "Bei zwei Drittel dieser schwer behandelbaren Patienten haben wir eine deutliche Linderung der Symptome festgestellt", sagte Elger.

Dies bestätige die gute Wirksamkeit, die für Zonisamid in den Zulassungsstudien ermittelt worden sei: Die Ansprechrate, definiert als Reduktion der Anfallhäufigkeit um mindestens 50 Prozent, lag in diesen Studien bei etwa 50 Prozent.

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