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"Bei Epilepsie wird zu selten operiert"

WIESBADEN (mut). Sprechen Epilepsiekranke auf Arzneien nicht genügend an, dauert es immer noch viel zu lange, bis sie operiert werden. Dabei zeigen neue Daten, dass nicht nur die Patienten mit Temporallappen-Epilepsie von einer Op profitieren, sondern auch die meisten Patienten mit extratemporalen Epilepsieherden.

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EEG-Analyse bei einem Kind mit Epilepsie. Wirken Arzneien nicht, kann oft eine Op helfen.

EEG-Analyse bei einem Kind mit Epilepsie. Wirken Arzneien nicht, kann oft eine Op helfen.

© Foto: dpa

"In diesem Land dauert es immer noch 25 Jahre von der Diagnose einer pharmakoresistenten Epilepsie bis zur Operation", so Professor Bernhard Steinhoff vom Epilepsiezentrum in Kehl-Kork. Dabei sei eine chirurgische Entfernung des Epilepsieherdes längst Mittel der Wahl ist bei therapierefraktären Patienten mit Temporallappen-Epilepsie. Wenn die Patienten dann endlich operiert werden, sind sie im Mittel schon 45 Jahre alt und sozial nicht mehr integriert, so Steinhoff beim Neuro-Update in Wiesbaden.

Denn sie dürfen aufgrund ihrer Anfälle nicht Auto fahren und viele Berufe nicht erlernen. Durch eine frühe Op lassen sich weitere Anfälle oft vermeiden und damit schwere soziale Benachteiligungen verhindern. Steinhoff nannte etwa Daten einer Studie aus dem Jahr 2001, an der 80 Patienten mit pharmakorefraktärer Temporallappen- Epilepsie teilnahmen. Die Hälfte wurde operiert, die andere Hälfte erhielt eine optimierte Arzneitherapie. Nach einem Jahr waren 58 Prozent der operierten Patienten komplett anfallsfrei, aber nur acht Prozent mit der optimierten Arzneitherapie.

Ein ähnliches Bild ergeben nun auch Daten einer retrospektiven Analyse von 154 Patienten mit extratemporalen Epilepsieherden. Die Patienten wurden frontal, posterior, okzipital oder gar multilobulär operiert. Nach sechs Monaten waren 56 Prozent der Patienten komplett anfallsfrei, nach einem Jahr noch 55 Prozent und nach 14 Jahren noch 51 Prozent. Steinhoff zieht daraus das Fazit, das auch die Hälfte der Patienten mit extratemporaler Epilepsie durch eine Op komplett anfallsfrei wird.

Der Epileptologe nannte jedoch eine Einschränkung: Patienten mit deutlich verminderter Intelligenz profitieren weniger von einer Op als solche mit normalem IQ - allerdings ist bei ihnen auch die Langzeitprognose bei einer Arzneitherapie schlechter. In welchem Ausmaß der Op-Erfolg vom IQ abhängt, zeigen Daten einer schwedischen Kohortenstudie mit knapp 445 Patienten. Zwei Jahre nach der Op waren insgesamt 56 Prozent der Patienten anfallsfrei. Von den Patienten mit einem IQ unter 50 waren es jedoch nur 22 Prozent, bei einem IQ zwischen 50 und 69 waren es 37 Prozent. Von den Patienten mit einem IQ von 70 und mehr hatten dagegen 61 Prozent keine Anfälle. Dies heiße nicht, dass Patienten mit niedrigem IQ nicht operiert werden sollten, die Angehörigen müssten jedoch über die reduzierte Erfolgsquote gut informiert werden.

Rasch operiert werden sollten mitunter auch Kinder, bei denen trotz Arzneitherapie Anfallscluster auftreten. Bei einem Anfallscluster kann es zu mehreren Anfällen pro Woche kommen. Solche Kinder haben ohne Op eine recht ungünstige Prognose: Knapp die Hälfte bleibt pharmakorefraktär und ebenfalls etwa die Hälfte stirbt innerhalb von 15 bis 20 Jahren. Diese Kinder sollten daher möglichst rasch in einem Epilepsiezentrum mit guter chirurgischer Erfahrung behandelt werden, so Steinhoff.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Mehr Leben gegen ein paar Hirnzellen

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