Ärzte Zeitung, 22.09.2011

Op nützt auch bei Epilepsie ohne Läsion

Patienten mit fokaler Epilepsie, aber ohne erkennbare Läsionen, können heute nach einer Hirn-Op auf ein ähnlich gutes Ergebnis hoffen wie Epilepsie-Patienten, bei denen im MRT Läsionen sichtbar sind.

Von Alexander Kretschmar

Hirn-Op nützt auch bei Epilepsien ohne Läsion

Patienten mit fokalen Anfällen werden durch eine Hirn-Operation oft anfallsfrei.

© BSIP / Your Photo Today

HONOLULU. Auch Patienten mit fokaler Epilepsie ohne erkennbare Läsionen profitieren von einer Hirn-Op. Darauf deutet das Ergebnis einer retrospektiven Studie mit 64 Teilnehmern aus einem Epilepsiezentrum in Ohio in den USA. Die Daten wurden auf dem Kongress der US-Neurologengesellschaft AAN in Honolulu vorgestellt.

Das Problem: Wird per EEG eine fokale Epilepsie nachgewiesen und der epileptogene Fokus bestimmt, so zeigt das MRT dort häufig einen normalen oder einen unspezifischen Befund, der keinen Zusammenhang mit den Anfällen zulässt.

Nur 34 bis 45 Prozent der Patienten mit nicht-läsioneller Epilepsie anfallsfrei

Die Frage ist, ob man trotzdem den Fokus entfernen soll. Erzeugt werden die Anfälle bei solchen nicht-läsionellen Epilepsien überwiegend durch extra-mesiotemporal lokalisierte neokortikale Foci. Es gibt aber auch Epilepsien mit mesiotemporalem Anfallsursprung, die mit unspezifischen MRT-Befunden einhergehen.

Die Angaben zum Anteil derjenigen Patienten mit nicht-läsioneller Epilepsie, die durch eine Op anfallsfrei werden, schwanken in Abhängigkeit von Lokalisation und chirurgischer Intervention zwischen 34 und 76 Prozent. In einer aktuellen Meta-Analyse wurden jedoch nur 34 bis 45 Prozent der chirurgisch behandelten Patienten anfallsfrei (Epilepsy Res 2010; 89: 310).

Bei läsionellen Epilepsien liegt Anfallsfreiheit um Faktor 2,7 bis 2,9 höher

Insgesamt wird in der Epilepsie-Chirurgie eine Lokalisation des epileptogenen Fokus innerhalb des Temporallappens, speziell in den mesialen Anteilen, als Prädiktor für ein besseres postoperatives Ergebnis angesehen. Die Chance auf Anfallsfreiheit liegt hier bei läsionellen Epilepsien etwa um den Faktor 2,7 bis 2,9 höher als bei unergiebigem MRT-Befund.

In der retrospektiven Auswertung der Verläufe bei 64 pharmakoresistenten Patienten mit unauffälligem MRT-Befund suchten die Forscher nach Faktoren, die das langfristige Ergebnis einer Operation beeinflussen. Parameter waren vollständige Anfallsfreiheit und Engel-Klasse I (keine beeinträchtigenden Anfälle).

Nach einem Jahr waren 79 Prozent der operierten Patienten anfallsfrei, 84 Prozent hatten keine beeinträchtigenden Anfälle. Nach fünf Jahren waren noch 60 Prozent anfallsfrei, und nach sieben Jahren noch 48 Prozent, wobei immerhin 71 Prozent keine beeinträchtigenden Anfälle hatten.

Patienten mit nicht-läsioneller Epilepsie können ein vergleichbar gutes Ergebnis erzielen

Risikofaktoren für ein schlechtes Op-Ergebnis waren eine hohe Anfallsfrequenz vor der Op (über zwölf Anfälle pro Monat) sowie generalisierte tonisch-klonische Anfälle vor der Op. Das Risiko, dass die Patienten dann nach der Op nicht anfallsfrei wurden, war hier jeweils um den Faktor Zwei bis Fünf erhöht.

Die Ergebnisse zeigen nach Ansicht der Autoren aber insgesamt, dass heute bei Patienten mit nicht-läsioneller Epilepsie postoperativ ein vergleichbar gutes Ergebnis erzielt werden kann wie bei Epilepsien mit positivem MRT-Befund. Daher sollte auch bei Patienten mit nicht-läsioneller Epilepsie eine Operation erwogen werden.

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