Ärzte Zeitung, 08.04.2004

Verstärkte Anstrengung für eine bessere Versorgung bei Parkinson

Am Sonntag ist Welt-Parkinson-Tag / Prävalenz ab 60 Jahre drastisch erhöht

NEU-ISENBURG (eb). Am Sonntag ist zum 8. Mal Welt-Parkinson-Tag - erneut ein Anlaß, auf die erforderliche Verbesserung der Versorgung von Parkinson-Patienten aufmerksam zu machen. Denn nicht immer bekommen die meist alten Menschen die adäquate Behandlung.

Persönlichkeiten, die an Morbus Parkinson erkrankt sind (von links): Sänger Peter Hoffmann, der US-amerikanische Schauspieler Michael J. Fox, die Boxer-Legende Muhammad Ali, Papst Johannes Paul II. und der ehemalige Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel. Fotos (5): dpa

In Deutschland gibt es - mit Berücksichtigung einer Dunkelziffer - etwa 330 000 Parkinson-Kranke. Nur etwa zehn Prozent der Patienten sind zum Zeitpunkt der Diagnose jünger als 40 Jahre. Die Prävalenz ist ab 60 Jahren drastisch erhöht.

Noch immer ist die Versorgung dieser Menschen nicht zufriedenstellend. Das läßt sich zum Beispiel auch daran ablesen, daß die Parkinson-Patienten mehrere Ärzte aufsuchen, wie Neurologen, Allgemeinärzte, Internisten und Orthopäden, weil sie, so Friedrich-Wilhelm Mehrhoff von der Deutschen Parkinson-Vereinigung, "nur so an Medikamente kommen, die sie tatsächlich benötigen".

Prävalenz von Morbus Parkinson nimmt im hohen Alter dramatisch zu
Prävalenz pro 100.000 Einwohner
Bei Menschen über 85 Jahren ist die Prävalenz von Morbus Parkinson am höchsten. Nur wenige erkranken in jungen Jahren.

Nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ist die Versorgung weitgehend bedarfsgerecht, und die Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Fachärzten und Kliniken funktioniere ohne Probleme. Doch könne es bei der Behandlung Schwierigkeiten geben, wenn die neurodegenerative Erkrankung als solche nicht erkannt oder ein Patient falsch behandelt wird.

Defizite gibt es zum Beispiel bei alten Menschen, für die eine Tiefenhirn-Stimulation erforderlich ist. Die Methode gilt als wichtige Therapiemöglichkeit in der Spätphase der Erkrankung. Die bilaterale Hochfrequenzstimulation des Nucleus subthalamicus (STN) ist Therapie der Wahl bei Parkinson-Patienten, die nach langjähriger Therapie mit L-Dopa starke unerwünschte Wirkungen haben.

Bei dem Verfahren werden den Patienten Reizelektroden ins Gehirn implantiert. Diese sind mit Impulsgebern - ähnlich Herzschrittmachern - verbunden. Durch die Stimulation werden Symptome eines L-Dopa-Langzeitsyndroms wie motorische Fluktuationen und Dyskinesien stark gebessert: Mit hochfrequentem Strom können Dyskinesien um 80 bis 90 Prozent verringert werden. Zudem läßt sich dadurch der Bedarf an L-Dopa vermindern.

Allerdings: In den Diagnosis Related Groups (DRGs), die in deutschen Krankenhäusern eingeführt werden, wird der besondere Aufwand bei dieser Operationsmethode nicht ausreichend berücksichtigt. Folge könnte sein, daß es dieses anerkannte Verfahren in Deutschland bald nicht mehr geben wird.

Was läßt sich mit der Tiefenhirn-Stimulation erreichen? Professor Günther Deuschl von der Universität Kiel hat errechnet, daß sich die ärztlichen Behandlungskosten über einen Zeitraum von sieben Jahren von 160 000 Euro fast halbieren ließen. Die Kosten pro Schrittmacher: knapp 25 000 Euro. Die Summe hätte sich in kurzer Zeit amortisiert.

Um die Voraussetzungen für eine grundlegende Verbesserung der ambulanten Versorgung von Patienten mit Morbus Parkinson zu schaffen, wurde im vergangenen Jahr die Pilotphase des ersten QUANUP-Projekts gestartet, das von den Unternehmen Boehringer Ingelheim und Pfizer unterstützt wird. QUANUP steht für "Verband für Qualitätsentwicklung in der Neurologie und Psychiatrie", der gemeinsam Ende 2000 vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte und dem Berufsverband Deutscher Neurologen gegründet wurde.

Lesen Sie dazu auch:
Ein besonderes Projekt mit Parkinson-Kranken

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