Ärzte Zeitung, 11.01.2005

Pramipexol lindert Depression bei M. Parkinson

Der Dopamin-Agonist reduziert nicht nur motorische Symptome, sondern steigert auch Antrieb und Lebensfreude

DÜSSELDORF (awa). Der Dopamin-Agonist Pramipexol reduziert bei Morbus Parkinson nicht nur dauerhaft Rigor, Tremor und Akinese. Auch Depressionen werden mit dem Medikament gelindert.

Etwa 40 bis 50 Prozent der Parkinson-Patienten haben eine Depression, die ihre Lebensqualität zusätzlich beeinträchtigt. Häufige Symptome einer Depression bei Parkinsonkranken sind Hoffnungslosigkeit, Gefühl von emotionaler Leere und Verlust der Lebensfreude, was auch als Anhedonie bezeichnet wird. Das hat Privatdozent Matthias Lemke aus Bonn berichtet.

Pramipexol (Sifrol®) stimuliere außer Dopamin-Rezeptoren vom Typ D2 bevorzugt die D3-Rezeptoren im limbischen System und im frontalen Kortex. D3-Rezeptoren sind bei der Pathogenese der Depression und Anhedonie von Bedeutung, so Lemke auf einer Veranstaltung des Unternehmens Boehringer Ingelheim in Düsseldorf. Pramipexol habe unter den Dopamin-Agonisten die höchste Präferenz für D3-Rezeptoren.

Der Dopamin-Agonist sei wegen seiner Wirkung auf Motorik, Antrieb und Stimmung das Mittel der ersten Wahl bei depressiven Patienten mit Morbus Parkinson, so Lemke. Im Vergleich zum Dopamin-Agonisten Pergolid verringerte sich in einer offenen Studie mit 41 depressiven Parkinson-Patienten nach acht Monaten täglich 1,9 mg Pramipexol der Schweregrad der Depression signifikant, mit täglich 3 mg Pergolid änderte sich der Wert auf der Montgomery-Asberg-Depressionsskala jedoch nicht.

In einer Anwendungsbeobachtung erhielten 657 depressive Parkinson-Patienten im fortgeschrittenen Stadium zusätzlich zu L-Dopa Pramipexol 1 mg täglich als mittlere Dosis. Im Verlauf der Beobachtungszeit von 63 Tagen nahmen Depression und Anhedonie ab und die Dosis von L-Dopa konnte von durchschnittlich 372 mg auf 344 mg pro Tag gesenkt werden. Der Anteil der Patienten mit Anhedonie sank von 47 auf 25 Prozent und die Anzahl der Patienten, die keine Depression hatten, stieg von 200 auf 350 Patienten.

In einer weiteren Anwendungsbeobachtung mit vergleichbarer Patientengruppe haben 74 Prozent von 1392 depressiven Parkinson-Patienten angegeben, daß nach 45 Tagen Zusatztherapie mit Pramipexol ihre mittelschwere bis schwere Depression deutlich zurückgegangen sei, so Lemke.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »