Ärzte Zeitung, 23.09.2005

Pflaster statt Pillen für Parkinson-Patienten

Dopamin-Agonist Rotigotin bessert Beschwerden innerhalb eines halben Jahres deutlich / Studie mit 277 Patienten

ATHEN (grue). Zur Parkinson-Therapie wird es bald ein Pflaster mit einem Dopamin-Agonisten geben. Das transdermal wirkende Präparat mit dem neuen nicht-ergolinen Agonisten Rotigotin soll Anfang nächsten Jahres auf den Markt kommen, und zwar zunächst zur Monotherapie von Patienten im Frühstadium der Erkrankung.

Für diese Indikation wurde in den USA und Europa die Zulassung beantragt, wie das Unternehmen Schwarz Pharma beim Jahreskongreß der europäischen neurologischen Fachgesellschaften (EFNS) in Athen mitgeteilt hat. Der Wirkstoff Rotigotin wird gleichmäßig über einen Zeitraum von 24 Stunden aus dem Pflaster freigesetzt und gelangt so direkt ins Blut.

Stabile Rotigotin-Plasmaspiegel sorgen für eine kontinuierliche Stimulation der D3-, D2- und D1-Dopamin-Rezeptoren im Gehirn, sagte Professor Werner Poewe aus Innsbruck auf einer Veranstaltung des Unternehmens. Der Wirkstoff kann über verschiedene Pflastergrößen in wöchentlichen Abständen aufdosiert werden - die Pflaster selbst werden einmal pro Tag gewechselt.

Das transdermale System wurde etwa in einer kontrollierten Studie bei insgesamt 277 Patienten mit frühem Morbus Parkinson im Vergleich zu Placebo geprüft.

Die Ergebnisse: Mit dem Verumpräparat besserten sich innerhalb von einem halben Jahr die Parkinson-Beschwerden deutlich, nicht so mit Placebo. Außerdem: Fast die Hälfte der Patienten profitierten signifikant von dem Dopamin-Agonisten - ihre Beweglichkeit steigerte sich, gemessen auf der UPDR-Skala, um mehr als 20 Prozent, wie Poewe berichtet hat.

Auch in der um sechs Monate verlängerten, dann offenen Studie hat sich der Dopamin-Agonist als gut wirksam erwiesen. Die Verschlechterung der Bewegungsabläufe habe sich damit verzögert, so Poewe. Die Pflaster-Therapie sei einfach und insgesamt gut verträglich, der Dopamin-Agonist könne aber ähnlich wie andere Parkinson-Medikamente zu Übelkeit, Benommenheit und Müdigkeit führen.

Rotigotin scheint sich auch als Zusatztherapie bei fortgeschrittener Parkinsonkrankheit zu eignen, die Ergebnisse einer großen Studie dazu werden Ende dieses Jahres erwartet.

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