Direkt zum Inhaltsbereich

Entacapon verlängert Phasen guter Beweglichkeit

MANNHEIM (mut). Bei Parkinson-Patienten hat Entacapon in einer Studie motorische Komplikationen ähnlich gut gelindert wie der Dopamin-Agonist Cabergolin. Unerwünschte Wirkungen wie Schwindel und Übelkeit traten mit Entacapon dabei deutlich seltener auf.

Veröffentlicht:

Einige Jahre nach der Diagnose Morbus Parkinson bekommen viele Patienten motorische Komplikationen. Der Grund: Sie produzieren selbst immer weniger Dopamin, so daß sie immer höhere Dosierungen von L-Dopa und Dopamin-Agonisten benötigen. Gleichzeitig können sie immer weniger Dopamin in ihren Nervenzellen speichern. Die Folgen sind stark schwankende dopaminerge Wirkspiegel im Gehirn.

Die Patienten pendeln dabei zwischen Phasen guter Beweglichkeit (On-Phasen) und Phasen schlechter Beweglichkeit (Off-Phasen). Mit einem langwirksamen Dopamin-Agonisten wie Cabergolin oder mit dem COMT-Hemmer Entacapon, der den Abbau von L-Dopa blockiert, läßt sich der Spiegel dopaminerger Substanzen länger im erwünschten Bereich halten.

In einer Studie mit 160 Patienten wurde die Wirksamkeit beider Substanzen verglichen. Primärer Parameter war die Dauer der Off-Zeit. Alle Patienten benötigten bei Studienbeginn L-Dopa und waren im Schnitt 3,8 Stunden täglich in Off-Phasen. Sie bekamen zwölf Wochen lang zusätzlich Entacapon (im Schnitt 700 mg/Tag bei Studien-Ende) oder Cabergolin (im Schnitt 3,5 mg/Tag).

Die Ergebnisse: Mit Entacapon (Comtess®, in Fixkombination mit L-Dopa und Carbidopa als Stalevo® erhältlich) nahm die Off-Zeit im Schnitt um 1,8 Stunden ab, mit Cabergolin um 1,7 Stunden. Das hat Professor Günther Deuschl von der Uni Kiel beim Neurologen-Kongreß in Mannheim berichtet. Die tägliche On-Zeit stieg mit Entacapon von 8,1 auf 10,3 Stunden, mit Cabergolin von 8,3 auf 10,6 - die Unterschiede waren nicht signifikant. Auch bei den motorischen Symptomen gab es in beiden Gruppen kaum Unterschiede - sie gingen ähnlich stark zurück.

Allerdings sei es mit Entacapon bereits nach zwei Wochen zu einer deutlichen Reduktion der Off-Phasen gekommen, mit Cabergolin jedoch etwas später, sagte Deuschl auf einem Symposium des Unternehmens Orion Pharma.

Und: Mit Entacapon kam es seltener als mit Cabergolin zu Übelkeit (7 versus 25 Prozent) und zu Schwindel (2 versus 8 Prozent). Diarrhoe und Ermüdung traten mit Entacapon jedoch etwas häufiger auf als mit Cabergolin (jeweils 7 versus 4 Prozent).

Mit beiden Therapien ließ sich der Bedarf an L-Dopa leicht reduzieren, und zwar im Schnitt um 32 mg/Tag mit Entacapon und um 11 mg/Tag mit Cabergolin.



STICHWORT

COMT-Hemmer

COMT-Hemmer blockieren das Enzym Catechol-O-Methyltransferase (COMT). Das Enzym baut L-Dopa ab. Durch die COMT-Blockade wird die Methylierung von L-Dopa verhindert und somit die Ausscheidung der Substanz verzögert. Mehr L-Dopa erreicht das Gehirn, und die Wirkdauer wird verlängert. (mut)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Topische Therapie

Betablocker gegen Glaukom erhöhen nicht das Parkinson-Risiko

α-Synuclein-Abbau fördern

Parkinson: Wieso guter Schlaf besonders präventiv wirkt

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Tipps für die Therapie

Was gegen Warzen wirklich hilft

Lesetipps
Zwei Hände tippen auf einem PC.

© Monkey Business / stock.adobe.com

Bewertungsportale

Wie Praxen am besten auf schlechte Online-Bewertungen reagieren