Ärzte Zeitung, 11.01.2007

Bildgebung hilft, Parkinson-Diagnose zu sichern

Studie mit SPECT-Untersuchung bei 600 Patienten nach klinischer Diagnose / Kritiker verweisen auf hohe Kosten

MANNHEIM (grue). Auch wenn klinisch ein Morbus Parkinson vorliegt, sollte die Diagnose durch mindestens eine bildgebende Untersuchung abgesichert werden. Dafür plädieren viele Mitglieder einer Konsensusgruppe der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Andere sind dagegen der Auffassung, dass klinische Diagnostik und der L-Dopa-Test genügen.

Oben: Diffuses SPECT-Signal (Single-Photonen-Emissions-Computertomographie) im Gehirn eines Parkinson-Patienten. Bei Gesunden oder bei Patienten mit essentiellem Tremor ist das Signal nierenförmig (unten). Foto: Amersham Health

Für bildgebende Verfahren spricht: Mit der Computertomographie des Gehirns können etwa frontale Raumforderungen, ein Normaldruckhydrocephalus und Mikrogefäßerkrankungen ausgeschlossen werden. Per Kernspintomographie kann eine Multisystematrophie (MSA) und eine progressive supranukleäre Blickparese (PSP) nachgewiesen werden.

Die wichtigste Zusatzuntersuchung bei der Parkinson-Frühdiagnostik ist jedoch nach Auffassung von Professor Johannes Schwarz aus Leipzig die Single-Photonen-Emissions-Computertomographie (SPECT) mit dem radioaktiven Marker DaTSCAN™. Damit wird die präsynaptische Dopamintransporter-Bindung geprüft, die bei der Parkinson-Krankheit stets reduziert ist.

Wie Schwarz bei einer Pro-und-Kontra-Diskussion während der Neurowoche in Mannheim berichtete, wurde bei einer retrospektiven Studie bei fast 600 Patienten mit klinisch diagnostiziertem Morbus Parkinson ein SPECT angefertigt. 24 Prozent der Patienten hatten darin eine normale Dopamintransporter-Bindung und somit kein dopaminerges Defizit. "Um ein idiopathisches Parkinson-Syndrom sicher zu diagnostizieren, ist die SPECT-Untersuchung hilfreich", so Schwarz. Von ihrem Ergebnis hänge ab, ob die Patienten eine dopaminerge Therapie brauchen oder nicht.

Nach Einschätzung des Neurologen wird künftig auch die transkranielle Duplexsonographie zur Parkinson-Diagnostik gehören. Damit werden echogene Zonen in der Substantia nigra nachgewiesen, die Hinweis auf eine beginnende Parkinson-Krankheit sein können.

Dagegen hält Privatdozent Dr. Horst Baas vom Klinikum Hanau zusätzliche bildgebende Untersuchungen oft für entbehrlich. Denn wenn validierte klinische Kriterien angewendet werden, ist die Diagnose Parkinson in neun von zehn Fällen richtig, sagt Baas. Schon aus Kostengründen könne nicht jeder Patient ein SPECT oder MRT bekommen. Die Wertigkeit dieser Verfahren sei zudem nicht ausreichend untersucht, deshalb erreichten sie in internationalen Diagnose-Richtlinien nur einen niedrigen Evidenzgrad. "Die klinische Diagnostik und der L-Dopa-Test sind dagegen bewährte und anerkannte Verfahren, auf die sich Ärzte stützen sollten", so Baas.

Empfehlungen für die Parkinson-Diagnostik gibt es unter www.dgn.org.

STICHWORT

L-Dopa-Test

Rigor, Tremor und Akinese sind die Hauptsymptome bei Morbus Parkinson. Doch schon bevor sich diese Beschwerden manifestieren, können schmerzhafte Verspannungen, die sich trotz schmerzlindernder Therapie nicht bessern, auf den Beginn der Erkrankung deuten. Auch Depressionen oder Riechstörungen können erste Anzeichen sein. Mehr Klarheit bei ersten motorischen Symptomen verschafft ein L-Dopa-Test: Erhalten Patienten mit M. Parkinson 200 mg L-Dopa oral, sollten sich die Symptome nach 30 bis 60 Minuten deutlich bessern. (mut)

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