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Antidementivum wirkt lang bei Parkinson-Demenz

FRANKFURT AM MAIN (ner). Wird bei Parkinson-Demenz mit Rivastigmin behandelt, dann sind bei den Patienten auch noch 48 Wochen nach Therapiebeginn positive Wirkungen festzustellen. Das ergab die offene Verlängerung einer Zulassungsstudie des Cholinesterase-Hemmers.

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Etwa 20 bis 30 Prozent der Patienten mit Morbus Parkinson bekommen im Krankheitsverlauf eine Demenz. Rivastigmin (Exelon®) ist zur Zeit das einzige zugelassene Mittel zur Therapie bei Parkinson-Demenz.

Die Wirksamkeit der Substanz war in der EXPRESS*-Studie mit 541 Parkinson-Patienten belegt worden. In der Studie hatten die Patienten zunächst über 24 Wochen täglich entweder den Cholinesterase-Hemmer (3 bis 12 mg) oder Placebo erhalten. Gemessen mit der ADAS-cog-Skala schnitten Patienten bei den kognitiven Leistungen mit Rivastigmin nach sechs Monaten um 2,8 Punkte besser ab als Patienten mit Placebo. Dies entspreche nach Erfahrungen bei Alzheimer-Kranken einer Verzögerung der Demenz-Progression um knapp ein halbes Jahr, wie Professor Rudolf F. Töpper aus Hamburg berichtet hat.

Nach 24 Wochen wurde die Studie offen fortgeführt. Alle Teilnehmer bekamen nun Rivastigmin für weitere sechs Monate. Nach insgesamt 48 Wochen konnten Daten von 334 Patienten ausgewertet werden, berichtete Töpper. Die Patienten aus der ehemaligen Placebo-Gruppe bekamen nun ebenfalls Rivastigmin.

Sie verbesserten sich um 2,8 Punkte auf der ADAS-cog-Skala, erreichten jedoch nicht mehr das Niveau der ursprünglichen Verumgruppe, sagte Töpper bei einer Veranstaltung von Novartis in Frankfurt am Main. In der ehemaligen Verumgruppe war zwar ein leichter Abfall der kognitiven Leistungen zu verzeichnen. Im Durchschnitt ging es den Patienten aber nach 48wöchiger Rivastigmin-Therapie immer noch besser als zu Beginn der Studie.

41 Prozent der Studienteilnehmer hatten am Ende der Studie eine Verbesserung um mindestens vier ADAS-cog-Punkte im Vergleich zum Ausgangswert (Movement Disorders 21, 2006, 456).

Häufigste unerwünschte Wirkungen des Cholinesterase-Hemmers waren Übelkeit (bei 29 Prozent versus 11 mit Placebo) und Erbrechen (16,6 versus 1,7 Prozent), berichtete Töpper. Zwar kam es unter Verum öfter zu Tremor (10 Prozent) als unter Placebo (4 Prozent), insgesamt habe es aber keine Verschlechterung der motorischen Symptome gegeben. Halluzinationen traten in der Verumgruppe mit 4,1 Prozent seltener auf als mit Placebo (8,1 Prozent).

*EXPRESS: Exelon in Parkinsons's Disease Dementia Study



STICHWORT

ADAS-cog-Test

Mit dem ADAS-cog-Test werden bei Patienten kognitive Fähigkeiten geprüft. Dazu gehören etwa das Erinnern von Wörtern, Benennen, Sprechfähigkeit und Sprachverständnis. ADAS-cog steht für kognitive Subskala der Alzheimer's Disease Assessment-Skala. Die Skala reicht von 0 (bestes) bis 70 Punkte (schlechtestes Ergebnis). Bei unbehandelten Alzheimer-Patienten verschlechtert sich das Test-Ergebnis jährlich um sieben bis acht Punkte. (mal)

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