Ärzte Zeitung, 23.02.2007

KOMMENTAR

Keine Angst vor Elektroden im Hirn!

Von Thomas Müller

Zugegeben - die Vorstellung, sich
Elektroden ins Hirn pflanzen zu lassen, klingt nicht gerade angenehm. Kein Wunder also, dass man dies bei Parkinson-Kranken erst tut, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind und man mit Medikamenten alleine nicht mehr weiterkommt. Vielleicht sollte man die Tiefenhirnstimulation aber etwas nüchterner betrachten: als ein Verfahren, das die Parkinson-Symptome meist besser lindert als eine alleinige Arznei-Therapie. Und das gilt nicht nur für Patienten im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung, sondern offenbar auch im frühen Stadium. Darauf deuten zumindest die Ergebnisse einer kleineren Studie. Warum also sollte man die Hirnstimulation nur bei schwer Kranken anwenden?

Sicher, noch gibt es nur wenige Daten zur Hirnstimulation bei relativ jungen Parkinson-Patienten. Aber diese Daten sind sehr ermutigend. Wenn es tatsächlich gelingt, motorische Komplikationen mit der Methode hinauszuzögern und den L-Dopa-Bedarf zu reduzieren, was die jetzt publizierte Studie nahelegt, dann lässt sich die Lebensqualität der Patienten möglicherweise über Jahre hinweg verbessern. Das wäre ein gutes Argument, die Hirnstimulation schon viel früher anzuwenden. Allerdings erhalten in Deutschland selbst Schwerkranke nur selten einen Hirnschrittmacher. Die Chance, dass bald auch Patienten mit milden und mäßigen Symptomen von der Methode profitieren, ist daher wohl eher gering.

Lesen Sie dazu auch:
Stromimpulse helfen jungen Parkinson-Kranken

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