Ärzte Zeitung, 13.03.2007

Frühe Behandlung hält beweglich

Rascher Therapiestart mit Rasagilin verzögert offenbar die Parkinson-Progression

ULM (mut). Eine frühe Therapie mit dem MAO-B-Hemmer Rasagilin kann möglicherweise die Progression der Parkinson-Krankheit verzögern. Die Beweglichkeit ist dann langfristig besser als bei Patienten, die sechs Monate später eine Therapie mit der Arznei beginnen.

Rasagilin (Azilect®) ist seit etwa eineinhalb Jahren zur Parkinson-Therapie erhältlich. Die Substanz blockiert das Dopamin-abbauende Enzym Monoaminoxidase B (MAO-B). Dadurch steht im Gehirn mehr Dopamin zur Verfügung.

Möglicherweise hat die Substanz auch eine neuroprotektive Wirkung. Darauf deuten Daten der TEMPO-Studie, die Professor Reiner Benecke aus Rostock auf dem Parkinson-Kongress in Ulm vorgestellt hat. In die Studie wurden 404 Patienten mit neu diagnostiziertem Parkinson aufgenommen. Sie erhielten zunächst sechs Monate lang täglich 1mg oder 2 mg Rasagilin oder Placebo, so Benecke auf einem Symposium von Teva Pharma und Lundbeck.

Mit beiden Rasagilin-Dosierungen gingen die motorischen Symptome zurück, und zwar von etwa 24 auf 22 Punkte, gemessen mit der Parkinson-Skala UPDRS (maximal 175 Punkte). Mit Placebo nahmen die Symptome leicht zu. Nach sechs Monaten war die motorische Leistung mit Rasagilin etwa wieder auf dem Ausgangsniveau, mit Placebo jedoch 3,5 bis 4 Punkte schlechter.

Nun bekamen auch die Patienten in der Placebo-Gruppe täglich 2 mg der Arznei. Die Studie wurde für weitere sechs Monate fortgeführt. Danach ergaben sich deutliche Unterschiede. Bei Patienten, die ein Jahr lang 1 mg Rasagilin erhalten hatten, war der UPDRS-Wert um 1,8 Punkte niedriger, bei Patienten, die ein Jahr lang 2 mg erhalten hatten sogar 2,3 Punkte niedriger als bei jenen mit nur sechs Monaten Therapie.

Auch sechs Jahre nach Beginn der Studie war dieser Unterschied noch erkennbar, so Benecke. Patienten, die später mit der Therapie begonnen hatten, hatten kontinuierlich schlechtere motorische Leistungen als Patienten mit sechs Monate früherem Therapiestart. Der Neurologe sieht dies als Hinweis, dass die Substanz die Progression verzögert. Beginnt die Monotherapie mit Rasagilin nach der Diagnose, benötigt etwa die Hälfte der Patienten auch zwei Jahre später keine weiteren Antiparkinson-Mittel, sagte Benecke. Dies seien ähnliche Resultate wie bei Therapiestart mit Dopamin-Agonisten.

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