Arznei kurbelt die Neurogenese an

Veröffentlicht:

BERLIN (ugr). Eine frühzeitige Therapie mit Dopamin-Agonisten kann bei Parkinson-Patienten offenbar die Neubildung von Nervenzellen stimulieren. Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Medikamente zudem das Überleben neu gebildeter Neurone fördern.

Erst seit zwei Jahrzehnten ist bekannt, dass das Gehirn bei Erwachsenen in der Lage ist, kontinuierlich neue Nervenzellen aus neuronalen Stammzellen zu erzeugen. "In Gehirnen von Parkinson-Patienten ist die Proliferation neuronaler Vorläuferzellen jedoch reduziert", hat Professor Jürgen Winkler von der Uniklinik Regensburg berichtet. Außerdem würden die jungen, frischen Zellen durch Apoptose schnell wieder sterben, so Winkler auf einem Symposium von Boehringer Ingelheim in Berlin.

Um die Wirkung einer neuroprotektiven Therapie zu untersuchen, eignet sich bei Parkinson-Patienten offenbar vor allem der Bulbus olfactorius. Zum einen sterben Nervenzellen im Bulbus olfactorius schon relativ früh im Verlauf der Parkinson-Krankheit ab: Ein olfaktorisches Defizit ist bekanntlich ein Frühsymptom bei Parkinson. Etwa 75 bis 90 Prozent der Patienten haben eine Störung der Geruchswahrnehmung. Zum anderen werden auch im Riechkolben neue dopaminerge Neurone gebildet, sagte Winkler.

In Tierversuchen hat Winkler den Dopamin-Agonisten Pramipexol (Sifrol®) oral appliziert und damit die Proliferation neuronaler Zellen im Bulbus olfactorius um 38 Prozent gesteigert. "Außerdem überlebten wesentlich mehr dieser neuen Zellen; sie waren besser als andere vor der Apoptose geschützt", sagte Winkler.

Dopamin-Agonisten lindern bei Parkinson über einen langen Zeitraum motorische Symptome, den Untergang dopaminerger Nervenzellen können sie aber nicht verhindern. "Daher gewinnt der Ansatz, die Neurogenese zu stimulieren und so den Zellverlust auszugleichen immer mehr an Attraktivität", so Winkler.

Wichtig sei es, möglichst schon in der prämotorischen Phase der Erkrankung, die sich mit Geruchs- und Schlafstörungen, eventuell kognitiven und psychiatrischen Symptomen bemerkbar mache, zu behandeln. Winkler: "In diesem Stadium läuft die Neurodegeneration wahrscheinlich schon seit zehn Jahren. Gelingt es uns, diese Risikopopulation zu identifizieren, könnten degenerative Prozesse vielleicht noch aufgehalten und zugleich die Neurogenese angekurbelt werden."

STICHWORT

Hoehn-Yahr-Skala bei M. Parkinson

Stadium I: Einseitig Symptome, keine oder nur geringe Beeinträchtigung.

Stadium II: Beidseitige Symptome, noch keine Haltungsinstabilität.

Stadium III: Mäßige Behinderung mit leichter Haltungsinstabilität.

Stadium IV: Vollbild bei Morbus Parkinson mit starker Behinderung. Die Patienten können aber noch ohne Hilfe gehen und stehen.

Stadium V: Patienten sind an Rollstuhl oder Bett gebunden und auf die Hilfe Dritter angewiesen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

US-Analyse

Vermehrt Parkinsonfälle bei hohen Trichlorethylen-Emissionen

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Fallstricke in der Praxis

Häufige Fehler in der Hypertonie-Therapie: So geht’s besser!

Praxis-PC, Konnektor und andere Elektrogeräte

Elektroschrott: Wie Praxen Altgeräte sicher entsorgen

Lesetipps
Knochen schematisch dargestellt

© crevis - stock.adobe.com

Komplikationen

Bei Diabetes mellitus auch die Knochen in den Blick nehmen

Plaque im Gefäß

© Dr_Kateryna / Fotolia

Metaanalyse

Keine Evidenz für die meisten Statin-Nebenwirkungen