Ärzte Zeitung, 07.02.2012

Wenn Parkinson-Patienten wie versteinert sind

Bewegungsblockaden bei Parkinson-Kranken treten meist auf, wenn ihr Arzneispiegel zu niedrig ist. Bei einigen Patienten wird dieses so genannte Freezing aber auch erst durch Medikamente verursacht, berichten jetzt US-Neurologen.

Wenn Parkinson-Patienten wie versteinert sind

Paradoxer Effekt: L-Dopa lässt manchen Parkinson-Patienten Wurzeln schlagen.

© Deutsche Parkinson Vereinigung

CINCINNATI (mut). Wenn die Wirkspiegel der dopaminergen Arzneien zurückgehen, kann es bei Parkinson-Patienten zu Bewegungsblockaden kommen: Sie fühlen sich dann am Boden festgeklebt und können ohne fremde Hilfe kaum einen Schritt beginnen.

Dieses Freezing tritt bei einigen Patienten aber auch in den On-Phasen, also unter der Medikation auf. Häufig ist dann die Medikation nicht ausreichend, manchmal aber ist es gerade die dopaminerge Medikation, die das Freezing verursacht, berichten US-Neurologen um Dr. Alberto Espay von der Universität in Cincinnati.

Freezing in den On-Phasen

Sie beschreiben vier Parkinson-Patienten, die über Freezing-Episoden unter L-Dopa berichteten. Wurde L-Dopa abgesetzt, verschlechterten sich zwar die motorischen Symptome, die Bewegungsblockaden verschwanden aber bei drei Patienten vollständig und bei einem zumindest teilweise.

Gaben die Ärzte wieder L-Dopa, kam es in den On-Phasen erneut zum Freezing, verdoppelten sie die L-Dopa-Menge, verschlimmerte sich das Freezing teilweise so sehr, dass die Patienten kaum noch gehen konnten.

Die übrigen motorischen Funktionen wurden mit der Extra-Dosis L-Dopa jedoch nicht schlechter, es traten aber vermehrt unerwünschte Wirkungen wie Dyskinesien auf (Neurology 2012, Epub January 18).

Vier verschiedene Freezing-Typen

Espay und sein Team schlagen aufgrund ihrer Beobachtungen vier verschiedene Freezing-Typen vor: zum einen das klassische Off-Freezing bei einem Mangel an dopaminerger Stimulation, das Pseudo-On-Freezing, das bei ungenügender Medikation im On-Zustand auftritt, das echte On-Freezing, das durch die Medikation in der On-Phase induziert wird und schließlich das therapieresistente Freezing, das unabhängig vom On- und Off-Zustand vorkommt.

Für die Praxis ist vor allem die Unterscheidung zwischen Pseudo-On- sowie echtem On-Freezing wichtig. Die Autoren der Untersuchung schlagen vor, bei Verdacht auf On-Freezing die übliche L-Dopa-Dosis zu verdoppeln und nach 45 bis 60 Minuten den Gang zu überprüfen.

Nur wenn sich das Freezing verschlimmert, ist es echtes On-Freezing. Falls möglich, sollten Ärzte auch die Medikation kurzfristig absetzen und 12 Stunden nach der letzten Dosis die Beweglichkeit prüfen: Nur bei echtem On-Freezing gehen die Blockaden zurück.

Beim On-Freezing befinden sich die Ärzte allerdings in einem therapeutischen Dilemma: Eine Reduktion der Medikation ist oft nicht möglich, da die motorischen Probleme dadurch insgesamt zunehmen. Am ehesten könnten die Patienten mit Hilfe von Angehörigen oder Pflegepersonal die Überwindung der Blockaden trainieren.

Auch eine Tiefenhirnstimulation kommt bei einigen infrage, denn damit lässt sich die L-Dopa-Dosis deutlich reduzieren.

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