Ärzte Zeitung online, 10.09.2013

Parkinson

Weniger Off-Phasen, bessere Stimmung

Treten Fatigue oder Depressionen bei Parkinson-Patienten vor allem in Off-Phasen auf? Falls ja, gehen solche nichtmotorischen Symptome oft deutlich zurück, wenn die motorische Therapie verbessert wird.

Von Thomas Müller

 Weniger Off-Phasen, bessere Stimmung

Mehr als die Hälfte der Patienten berichten über Fatigue.

© Klaus Eppele / fotolia.com

BARCELONA. Morbus Parkinson betrifft nicht nur die Substantia nigra mit ihren dopaminergen Zellen, sondern auch viele andere Hirnareale, darunter den Locus coereolus mit noradrenergen Verbindungen oder den Nucleus basalis mit cholinergen Nervenzellen.

Daran hat Professor Heinz Reichmann von der Universität Dresden erinnert. Es sei daher nicht erstaunlich, wenn Parkinsonpatienten typischerweise bis zu einem Dutzend nichtmotorischer Beschwerden aufweisen, so Reichmann auf dem Kongress der European Neurological Society (ENS) in Barcelona.

Deutlich häufiger als gleichaltrige Patienten ohne Parkinson kommt es bei den Betroffenen zu Geruchsstörungen, Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen, Depressionen, Müdigkeit oder Interessenverlust.

Daten der Priamo-Studie vorgestellt

Reichmann erläuterte dies auch anhand von Daten der Priamo-Studie mit über 1000 Patienten: Mehr als die Hälfte der Patienten berichteten über Fatigue und Ängste, jeweils 30-40 Prozent nannten Schmerzen im Bein, Insomnie, Harndrang, Nocturie, Speichelfluss und Konzentrationsprobleme.

Nicht alle der Symptome werden jedoch als ähnlich belastend empfunden: Gefragt, welche der Symptome ihnen am meisten Schwierigkeiten bereiteten, gaben in einer Studie etwa die Hälfte der Patienten motorische Fluktuationen an, mehr als ein Drittel nannten jeweils Stimmung, Beinschmerzen, Speichelfluss und Schlaf, dagegen war nur für ein Viertel der Tremor besonders lästig.

Eine Therapie gegen die nichtmotorischen Symptome scheint daher den Patienten oft ebenso wichtig wie die motorische Behandlung.

Für die Therapie sei es allerdings entscheidend, wann die Symptome auftreten, berichtete der Neurologe. Es lohne sich zu schauen, ob die nichtmotorischen Beschwerden bevorzugt während der Off-Phasen deutlich werden. Dies ist nach Daten einer Studie vor allem bei Fatigue, Depressionen und Ängsten der Fall.

In solchen Fällen sollten dann in erster Linie die motorische Therapie verbessert und die Off-Phasen reduziert werden. Damit ließen oft auch solche nichtmotorischen Beschwerden nach, die an Off-Phasen gekoppelt sind.

Ist keine Abhängigkeit von den Bewegungsphasen erkennbar, können sich Ärzte auf die symptomatische Therapie konzentrieren - bei einer Depression wären dann etwa SSRI oder NSRI indiziert.

Amantadin, Rasagilin: Optionen bei ausgeprägter Fatigue

Die Wahl der dopaminergen Arzneien hat jedoch ebenfalls einen Einfluss auf nichtmotorische Symptome. Bei ausgeprägter Fatigue verwendet Reichmann oft Amantadin oder Rasagilin.

Haben die Patienten Schlafstörungen, kann die Wahl eines langwirksamen oder retardierten Dopaminagonisten von Vorteil sein. Damit lassen sich die Parkinsonsymptome während der Nacht oft gut kontrollieren, sagte der Neurologe.

Viele Patienten wachen aber dennoch mitten in der Nacht auf und können dann nicht mehr einschlafen. Hier seien kurzwirksame Hypnotika eine Option. Wichtig sei auch, die Patienten gezielt nach Schlafproblemen zu fragen, oft sprechen sie das nicht von selbst an.

Bei exzessiver Tagesmüdigkeit kommt nach Auffassung des Parkinsonexperten eine Dosisreduktion der dopaminergen Arzneien infrage, sollte die Medikation die Ursache für die Müdigkeit sein. Ist eine obstruktive Schlafapnoe der vermutete Grund, wäre die CPAP-Beatmung Mittel der Wahl.

Gegen die nicht ungefährlichen nächtlichen Bewegungen bei REM-Schlaf-Verhaltensstörungen nannte Reichmann Melatonin und Clonazepam, bei RLS hilft es oft, die dopaminerge Arzneidosis abends zu erhöhen.

Antidementiva auch bei Parkinsondemenz wirksam

Ein weiteres Problem ist die Parkinson-Demenz, an der etwa 40 Prozent der Patienten erkranken. Der kognitive Verfall und die Depression verschlechtern die Lebensqualität oft mehr als die Bewegungsstörung, so Reichmann.

Verbunden mit der Parkinsondemenz sind zum einen Alpha-Synuclein-Ablagerungen im Hirnstamm und Kortex, andererseits auch die Degeneration von Hirnkernen wie dem Nucleus basalis - einem der Hauptproduzenten von Acetylcholin.

Aus diesem Grund können Cholinesterasehemmer wie das gegen Parkinsondemenz zugelassene Rivastigmin von Vorteil sein, eine vor kurzem publizierte Studie habe eine ähnlich gute Wirksamkeit auch für Donepezil gezeigt. Memantine habe in Studien dagegen kaum zu signifikanten Vorteilen geführt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »