Ärzte Zeitung App, 14.08.2014

Parkinson-Forschung

Implantierte Neurone werden Teil des Gehirns

Forschungsziel: Implantierte Neurone sollten bei M. Parkinson Dopamin direkt im Gehirn der Patienten erzeugen und an die richtigen Stellen transportieren.

LUXEMBURG. Forschern des Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB) ist es gelungen, aus Hautzellen erzeugte Nervenzellen langfristig stabil in das Gehirn von Mäusen zu integrieren (Stem Cell Reports 2014; online 31. Juli).

Sechs Monate nach Implantation seien die Neurone voll funktionsfähig im Gehirn integriert gewesen, teilt die Universität von Luxemburg mit. Diese langfristig stabile Implantation von Neuronen mache Hoffnung für zukünftige Therapien, um pathologisch veränderte Nervenzellen des Gehirns - etwa bei M. Parkinson - durch gesunde zu ersetzen.

Das Forscherteam des LCSB um Professor Jens Schwamborn und Kathrin Hemmer arbeitet kontinuierlich daran, die Möglichkeit einer Zellersatztherapie bei neurodegenerativen Erkrankungen voran zu treiben. "Therapieerfolge beim Menschen sind noch Zukunftsmusik, aber ich bin mir sicher, dass es in Zukunft erfolgreiche Zellersatztherapien geben wird. Unsere Forschungsergebnisse sind ein weiterer Schritt in diese Richtung", wird Schwamborn zitiert.

Mit den aktuellen Versuchen ist es dem Forscherteam, gemeinsam mit Kollegen des Max-Planck-Instituts und der Uniklinik in Münster sowie Kollegen der Universität Bielefeld, gelungen, aus Nervenzellen, die zuvor aus Hautzellen reprogrammiert wurden, stabiles Nervengewebe im Gehirn zu erzeugen.

Der Trick der Stammzellforscher, Nervenzellen, so genannte induzierte neuronale Stammzellen (iNSC), aus körpereigenen Hautzellen im Reagenzglas zu erzeugen, verbessert die Verträglichkeit der implantierten Zellen erheblich.

Bei so behandelten Mäusen waren auch sechs Monate nach der Implantation, die im Bereich von Hippocampus und Cortex erfolgte, keine nachteiligen Effekte festzustellen. Im Gegenteil: Die implantierten Nervenzellen waren in das komplexe Netzwerk des Gehirns voll integriert. Sie waren normal aktiv und mit den ursprünglichen Gehirnzellen über neu ausgebildete Synapsen verbunden.

"Auf den aktuellen Erkenntnissen aufbauend, werden wir uns jetzt gezielt um die Sorte von Nervenzellen kümmern, die bei M. Parkinson im Gehirn abstirbt - die Dopamin produzierenden Nervenzellen", so Schwamborn in der Mitteilung.

In Zukunft sollen implantierte Nervenzellen das fehlende Dopamin direkt im Gehirn der Patienten erzeugen und an die richtigen Stellen transportieren. So könnte eine echte Heilung des M. Parkinson möglich werden. Erste Versuche an Mäusen laufen bereits.in den Labors des LCSB auf dem Campus Belval der Universität Luxemburg (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. Offenbar fällt es aber schon Kindern schwer, ihre Bewegungsmuster zu ändern. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethische Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »