Ärzte Zeitung, 03.09.2015

Mitochondrien-Defekt

Ein Schlüssel in der Parkinson-Forschung?

Mitochondrien-Defekte können die Ursache vieler Krankheiten sein, unter anderem auch Parkinson. Forscher haben jetzt einen neuen Signalweg entdeckt, der Hoffnung macht.

HEIDELBERG. Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben einen neuartigen Signalweg entdeckt, der die Funktion der Mitochondrien steuert. Die Schlüsselrolle dabei spielt überraschenderweise eine Fettsäure.

Bei Fliegen, die aufgrund eines Mitochondrien-Defekts an Parkinson-artigen Symptomen leiden, verbessert die Fettsäure als Futterzusatz die Krankheitssymptome (Nature 2015; online 27. Juli).

Ein Zufallsfund

"Es war Zufall, dass wir diese bisher völlig unbekannte Steuerung der Mitochondrien-Funktion entdeckt haben", wird Deniz Senyilmaz, der Erstautor der Studie, in einer DKFZ-Mitteilung zitiert. Die Forscher im Team von Aurelio Teleman wollten zusammen mit Kollegen aus Cambridge eigentlich den Stoffwechsel langkettiger Fettsäuren untersuchen.

Dazu hatten sie Fliegen gezüchtet, die keine Stearinsäure mehr bilden können. Die Tiere mit diesem Defekt erwiesen sich als nicht lebensfähig.

Neugierig geworden, was dahintersteckt, kam das Team einem Kontrollmechanismus auf die Spur, der die Fusion oder auch den Zerfall der Mitochondrien steuert und damit die Leistungsfähigkeit der Organellen.

Wurde Fliegenfutter Stearinsäure zugesetzt, verschmolzen die Mitochondrien der Tiere miteinander und waren leistungsfähig, wenn sie die Fettsäure knapp hielten, zerfielen die Organellen. "Stearinsäure steigert daher möglicherweise auch die Leistungsfähigkeit krankhaft veränderter Mitochondrien", begründet Telemann in der Mitteilung das weitere Vorgehen.

Die Forscher untersuchten nun Fliegen, die aufgrund eines Mitochondrien-Defekts Parkinson-ähnliche Symptome zeigen und als Modell für die neurodegenerative Erkrankung dienen.

Erhielten kranke Tiere Stearinsäure im Futter, so verbesserten sich motorische Fähigkeiten sowie Energiebilanz und sie lebten länger. "Möglicherweise lassen sich so, mit einem Lebensmittelzusatz die Symptome von Patienten mitochondrialen Erkrankungen leiden", so Teleman. (eb)

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